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Gitarre&Bass 10/91
Glockenklang Acoustic Art-Box
Um akustische Instrumente mit ihren vielfältigen Klangfarben und feinen Nuancierungen in angemessener Weise elektrisch verstärkt wiederzugeben, sind ganz besondere Lautsprecher vonnöten. Die üblichen Instrumentenboxen, meist vorrangig auf hohe Lautstärken und Durchsetzungskraft gezüchtet, liefern hierfür nicht immer zufriedenstellende Ergebnisse.
Der
deutsche Bassanlagen-Hersteller Glockenklang hat sich mit besonders klangtreuen
Instrumenten-Wiedergabesystemen einen hervorragenden Namen gemacht, und so ist
es nicht erstaunlich, daß gerade er sich der Problematik einer speziellen
Lautsprecherbox für akustische Instrumente annimmt. Das Ergebnis hat sich
bei verschiedenen Musikern - unter anderen ist der Kontrabassist Miroslav Vitous
mit zwei Acoustic Art bestückt - bereits in der Praxis bewährt, denn
einzelne Stücke sind nun schon seit einiger Zeit im Einsatz. In einer roadtauglichen
Ausführung soll nun das fertige Serienprodukt vorgestellt werden.
Sound
Über gewisse Mindestanforderungen muß man wohl bei einer 1 x 10"-Zweiwegbox
für über 2500,DM sicherlich nicht diskutieren. Daß für
diesen Preis auch ein angemessener baulicher und entwicklungstechnischer Aufwand
geleistet wurde, wiegt bei der Klangfrage im Prinzip wenig. Denn auch eine Billigbox
kann, zumindest subjektiv bewertet, durchaus erstklassig klingen. Andererseits
bietet der geleistete Aufwand bei der Acoustic Art zusammen mit dem anerkannten
Know-how des Herstellers eine gewisse Garantie für außergewöhnliche
Klangergebnisse.
Gegenüber normalen Instrumentenboxen, ob Zwei- oder Dreiweg, beeindruckt
der extrem weite Wiedergabebereich und die exakte Detailabbildung der Acoustic
Art. Fraglos ist hier etliches mehr zu hören, kommen feinste Nuancen zum
Vorschein, die sonst üblicherweise untergehen. Ungemein plastisch und dynamisch
geht die kleine Stufenbox zu Werke, was man ihr wegen der geringen Abmessungen
gar nicht zutrauen würde. Doch tatsächlich wirkt sie - bei zahmen
Lautstärken - deutlich lebendiger als auch wesentlich größere
Lautsprecher, was wohl unter anderem auf die besonders verfärbungsfreie
und impulsgetreue Wiedergabe von tiefsten Subbässen bis in höchste
Brillanzspitzen zurückzuführen ist.
Wegen der kleinen Speakerbestückung und des relativ niedrigen Schalldrucks
ist die erreichbare Maximallautstärke halt begrenzt; sie reicht sicherlich
aber zur effektiven Unterstützung eines leisen Kontrabasses in einer vorwiegend
"akustischen" Besetzung, für akustische Jazz-, Gala- und Tanzbands
aus. Werden größere Lautstärken benötigt, beispielsweise
fürs Zusammenspiel mit einem Schlagzeuger, wird es in Acoustic-Art-Qualität
allerdings kostspielig, denn dann helfen nur mehrere Boxen. Für E-Bass
erwirbt man, sofern man es sich leisten kann, mit der Acoustic Art einen hochfeinen
Übungslautsprecher, der wohl alles andere, was derzeit angeboten wird,
in den Schatten stellt.
Die kristallklaren Highlights werden durch den Kalottenlautsprecher mit seinem
breiten Abstrahlwinkel homogen in den Gesamtsound integriert, und so kommt es,
daß die kleine Box trotz der außergewöhnlich hoch hinaufreichenden
Wiedergabe nicht scharf oder spitz klingt, sondern vielmehr natürlich,
offen und frei. Und auch der tiefste Subbaß-Bereich - die Acoustic Art
reicht noch mindestens eine halbe Oktave tiefer als andere gute Instrumentenlautsprecher
- wird beeindruckend differenziert und sauber reproduziert. Daß sich über
das gesamte Frequenzband keinerlei Auffälligkeiten in Form von verfärbenden
Resonanzen zeigen, macht zusammen mit der dynamischen, plastischen Abbildung
die eigentliche Qualität des Acoustic-Art-Systems aus. Jedes Klangdetail
wird von der Glockenklang-Box exakt fokussiert, aber ohne Übertreibung
angemessen abgestrahlt, souverän und scheinbar ohne Anstrengung über
den gesamten Frequenzbereich. Das ist High Fidelity für Intrumentenwiedergabe!
Wer einmal seine gewöhnlichen Hi-Fi-Boxen im Proberaum an die PA angeschlossen
hat, wird sich bestimmt noch an dieses zweifelhafte Vergnügen erinnern.
Wenn sie den Härtetest überlebt haben, so hat es immerhin schön
gezerrt, gepfiffen und auch sonst sicherlich seltsam geklungen, ganz zu schweigen
davon, daß sie einem Instrument auch nur annähernd die erforderliche
Durchsetzungskraft im Bandsound verliehen hätten. So einfach ist es also
nicht.
Die Acoustic Art verbindet filigrane und feinzeichnende Wiedergabekultur mit
den Dynamik- und Belastbarkeitsanforderungen für Instrumentenwiedergabe,
wie es bislang keine andere Musikerbox vermag. Der Live-Sound akustischer Instrumente,
z. B. Kontrabaß, muß mit diesem Wiedergabesystem nicht einem guten,
authentischen Studioklang nachstehen. Besondere Sorgfalt wurde bei der Acoustic
Art auch auf saubere Reproduktion komplexer Signale gelegt; selbst tiefe Baßakkorde
werden tatsächlich tadellos sauber und ohne hörbare Verzerrungen bewältigt,
wobei man aufgrund der hervorragenden Plastizität noch tief in den Akkord
hineinhören kann und wirklich jeden Einzelton lokalisiert.
Die besonders geringen Verzerrungen qualifizieren diese Box auch als handliche
Edel-PA, wenn z. B. in kleinen Clubs keine hohen Lautstärken benötigt
werden, aber die Live-Darbietung klanglich nicht hinter der Konservenmusik zurückstehen
soll. Natürlich kann man in den Pausen auch eigene Konserven über
die Acoustic-Art-PA abspielen, denn sie besitzt Studiomonitor-Qualitäten.
Für den Einsatz in größeren Hallen oder gar Open Air tragen
die kleinen Boxen sicherlich nicht weit genug, in mittelgroßen geschlossenen
Räumen bleibt der gute Ton in gepflegter Lautstärke aber auch in etlichen
Metern Entfernung noch ausgewogen erhalten.
Resümee
Die Acoustic Art ist ein edles High-Fidelity-System für Instrumentenwiedergabe, zutreffender kann man es kaum beschreiben. Anders als übliche Instrumentenboxen besitzt die Acoustic Art keinen "guten Sound", sondern gerade keinen Eigenklang, aber dafür ausgezeichnete Wiedergabeeigenschaften, um auch feinste Details präzise und eindrucksvoll zu reproduzieren. Und anders als normale HiFi-Boxen ist die Glockenklang speziell für den großen Dynamikbereich und für die Impuls-Belastbarkeitsanforderungen der Instrumentenwiedergabe zugeschnitten, im Prinzip also ein hochwertiger Studio-Monitor. Die maximale Lautstärke ist allerdings nicht mit einer üblichen Instrumenten- oder PA-Box vergleichbar, so daß ihr vorwiegend der Einsatz in leiseren Formationen mit akustischen Instrumenten vorbehalten bleibt.
PLUS
MINUS
Dirk Groll
Mit freundlicher Genehmigung des MusikMedia-Verlages,
Köln