WENN DIE GLOCKEN LÄUTEN...
Glockenklang »Bass Art«-Vorstufe
Lasse ich das Jahr 1988 gedanklich Revue passieren, dann ist die Präsentation der Baßanlage mit dem bezeichnenden Namen Glokkenklang Bugatti auf der Frankfurter Musik Messe eines der erwähnenswertesten Ereignisse in Sachen E-Baßanlage. Sie rauscht überhaupt nicht, legt eine immense Soundtiefe an den Tag und liefert ein bis dato nicht dagewesenes Klangbild. Grundkonzept der Konstrukteure ist, die Lebendigkeit eines E-Baß' uneingeschränkt wiederzugeben und bezüglich des Frequenzumfanges, Dynamik, Durchsichtigkeit etc. so getreu wie möglich zu verstärken. Daß diese Idee bei Bassisten ankommt, beweist die Tatsache, daß die Glockenklang Bugatti beim FACHBLATT MUSIKMAGAZIN POLL 88 auf Anhieb einen sensationellen dritten Platz in der Sparte Baßanlagen schaffte.
Eine
Baßanlage mit derartigen Ansprüchen kann nicht billig sein, das wird
jedem einleuchten. Obwohl es mittlerweile die Komponenten der Bugatti-Anlage
- Vorstufe, Endstufe und Boxen waren anfangs nur als Kombination erhältlich
- auch einzeln gibt, bleiben sie für die Meisten noch wie vor unerschwinglich.
Um nun einer größeren Anzahl von Bassisten den Zugang zu hochwertiger
Elektronik zu ermöglichen, entwickelte Glockenklang die »Bass Art«-Serie.
Die Gerate beinhalten qualitativ in etwa die gleiche Elektronik wie die BugattiSerie,
sind jedoch mit ein paar Ausstattungsmerkmalen weniger ausgestattet. Bei der
Vorstufe wurde z.B. auf die Auslegung eines Stereosignals verzichtet, für
die zuschaltbare Klangregelung wurden einfachere Bauteile verwendet, was sich
klanglich aber nicht im geringsten auswirkt. Lediglich die Rauschfreiheit kann
bei zugeschalteten Klangreglern nicht mehr garantiert werden. Um nicht falsch
verstanden zu werden: Der Rauschanteil, der bei Aktivierung der Klangregler
hörbar wird, ist immer noch so gering, daß er deutlich unter dem
Pegel liegt, den die meisten der bisher von mir getesteten Baßvorstufen
aufweisen.
FRONTPLATTE
Sie unterscheidet sich kaum von der in Heft 5/88 vorgestellten Bugatti-Vorstufe.
Auch beim »Bass Art«-Preamp kann ich nur empfehlen, für die
Verbindung zum Instrument das von Glokkenklang speziell entwickelte Kabel mit
Kabeltreiber zu verwenden. Der Unterschied zu einem sehr guten »normalen«
Kabel ist so immens, daß es die Mehrkosten von einigen hundert Märkern
gerechtfertigt. Zum Anschluß dieses Spezialkabels dient die XLR-Buchse
»Line Driver In«. Für das Klinkenkabel steht der Eingang »Normal
In« zur Verfügung, der erst dann aktiviert ist, wenn man ihn mit
dem darüberliegenden Druckschalter anschaltet. Im übrigen sind alle
Schalter mit einem jeweils dazugehörigen LED gekoppelt, das aufleuchtet,
wenn der betreffende Bereich angeschaltet ist.
Es hat die Jungs von Glockenklang schon immer gestört, daß der Sound
eines hochwertigen Verstärkers von der minderwertigen Elektronik eines
Stimmgerätes beeinträchtigt werden kann. Abhilfe schafft hier die
Buchse »Tune Send«, an die das Gerät angeschlossen wird. Mittels
Peak- Regler stellt man die Klangfülle ein. Der Regler sollte so weit aufgedreht
werden, daß das darüber befindliche LED bei starken dynamischen Anschlagen
kurz aufleuchtet. Achtung: Bei nachträglich dazugeschalteter Klangregelung
und weit aufgedrehten Reglern kann es leicht passieren, daß der Gainregler
zurückgedreht werden muß, weil ansonsten das Eingangssignal zu stark
ist und der Sound verzerrt ist. Der Volume- Regler bestimmt, mit welcher Intensität
das Signal der Vorstufe an die Endstufe oder den Kopfhörerausgang weitergegeben
wird.
Über einen hochwertigen Kopfhörer hört man erst so richtig, was
qualitativ in der Glockenklang »Bass Art« drinsteckt. Auf der Bühne
sollte der Sound natürlich ebensogut klingen. Das sollte man beachten,
wenn man die, Baßanlage weiter verfeinert. Und das bleibt unausweichlich,
hat man sich erst vom Glockenklang verzaubern lassen.
KLANGREGELUNG
Der Idealfall ist, die Klangregler überhaupt nicht benutzen zu müssen,
denn dann erhält man den puren Sound ohne Rauschanteile, und die gesamte
Lebendigkeit des E-Baß' wird au. thentisch übertragen, was bei einem
guten Instrument die besten Ergebnisse bringt. Ohne jegliche Einfärbung
elektronischer Art überträgt die »Bass Art« genau den
Klang, den der E-Baß Ober die Elektronik/Tonabnehmer-Kombination abgibt.
Doch leider hat man bei den meisten Gigs nicht die optimalen akustischen Bedingungen:
Die Möglichkeiten können von absoluter Baßlastigkeit bis hin
zur völligen Absorbierung der Bässe reichen. Da hilft nichts die Klangregler
müssen herhalten.
Man beginnt am besten damit, indem man die Bass/Treble-Sektion anschaltet, mit
der man Bässe und Höhen um maximal 15 dB anheben oder absenken kann.
Immens tiefe Kellerbässe kommen zustande, wenn man den Baßregler
weit aufdreht. Ebenso enorm ist die Spritzigkeit der Höhenanteile, wenn
der Höhenregler hochgedreht wird. Reicht das nicht zur Soundformung, weil
man die Mitten zur Durchsetzungskraft im Klanggefüge der Band braucht,
muß die doppelte parametrische Equalizerregelung dazugeschaltet werden.
Einer der regelbaren Mittenbereiche beginnt bereits bei 70 Hz und geht bis 1,4
KHz, der zweite Bereich reicht von 250 Hz bis 6 KHz. Angewählte Frequenzen
können jeweils um 15 dB angehoben oder abgesenkt werden. Je weiter man
die einzelnen Frequenzbereiche aufdreht, um so mehr schleicht sich -wenn auch
geringfügig - ein Rauschen in das Klangbild hinein, was der unendlichen
Soundtiefe abträglich ist, die man erleben kann, wenn man die beiden Klangregelsektionen
nicht dazugeschaltet hat.
Besagte Soundtiefe kommt besonders dann zum Tragen, wenn man filigrane, schwebende
Musikrichtungen bevorzugt. Bei fetzigen Rockoder Funk-Bands spielt diese Klangtiefe
aus meiner Sicht keine so große Rolle, vor allem wenn die Kollegen auf
der Bühne ihrerseits Matschsounds produzieren. Bei dieser Gelegenheit möchte
ich daran erinnern, daß der Eindruck vom Gesamtsound einer Band nur so
gut sein kann, wie der Sound des ' Instrumentes, das am schlechtesten klingt
- welches auch immer es sein mag. Verwendet man die »Bass Art«-Vorstufe
von Glockenklang, ist das zumindestens nicht der E-Baß, wie sonst so oft!
RÜCKSEITE
Hier sitzen die Effekteinschleifbuchsen »Return« und »Send«.
Ein daran angeschlossenes Effektgerät, bzw. dessen Wirkungsweise wird durch
Einschalten mit dem auf der Frontplatte angebrachten Insert- Schalter in das
Klangbild eingeflochten. Dies kann auch per Fußschalter geschehen. Sehr
sinnvoll finde ich die Tatsache, daß man den Effektweg an- und ausschalten
kann. Benutzt man ein minderwertiges Gerät, das ein hohes Eigenrauschen
an den Tag legt, sollte man es- , wenn man es nicht gerade benutzt, aus dem
Elektronikkreislauf des »Bass Art« herausnehmen. Des weiteren ist
auch die parametrische Klangregelung per Fußschalter an/abschaltbar.
Der Ausgang zur Endstufe ist in Form eines Line-Out-Ausgangs in XLR-Ausführung
vorhanden. Ebenfalls in XLR-Ausführung ist der symmetrische DI-Ausgang
ausgelegt. Mittels Schalter kann hier bestimmt werden, ob das Signal vor der
Vorstufenklangregelung oder noch Beeinflussung durch Klangregler und Effekteinschleifweg
abgenommen wird. Mit dem ebenfalls zur DI-Sektion gehörenden Groundliftschalter
kann bei doppelter Erdbelegung (z.B. Vorstufe und Endstufe sind beide geerdet)
eine Brummschleife eliminiert werden.
SOUND
Dieser wird bei ausgeschalteten Klangregelsektionen pur übertragen, also
nicht von der Vorstufe geprägt, sondern vom Instrument. Die Schwachen eines
E-Baß' werden in dem Fall gnadenlos aufgedeckt, z.B. das mehr oder weniger
starke Rauschen einer aktiven Elektronik, das Fehlen strahlender Höhenanteile
oder die Muffigkeit im Tiefenbereich - nichts bleibt bei dieser Vorstufe ein
Geheimnis.
Besitzt man ein hochwertiges Instrument, ist man andererseits erstaunt, wieviele
Vorzüge einem bisher verborgen geblieben sind, weil die bisherige Anlage
sie unzulänglich oder verfälscht übertragen hat. Mit dazugeschalteten
Klangreglern kann man aus einem Instrument Sachen herauskitzeln, die nur verkümmert
in ihm schlummern. So konnte ich z.B. aus dem Ibanez Soundgear SR 600 - Test
in diesem Heft - einen absolut scharf klingenden Funkbaßsound herausholen,
indem ich die Baßregler der Vorstufe voll aufdrehte und die Höhen
auf +6 dB anhob. Auf einmal kamen Fundamentalbässe und eine Spritzigkeit
in den Höhen, gepaart mit den vom Ibanez-Baß ohnehin betonten Mitten
zu Gehör. Ich konnte mich nur noch wundern, was aus einem Instrument dieser
Preisklasse heraushörbar ist. Wem der Preis für die »Bass Art«-Vorstufe
zu hoch erscheinen mag: Es gibt nichts Gleichwertiges in dieser Preisstufe.
Das muß eindeutig gesagt werden. Und wer diese Vorstufe mal ausprobiert
hat, der weiß, was ich damit meine.
Übersicht
Herkunftsland: |
Deutschland |
Bauweise: |
Transistor 1911 |
Eingänge: |
1 Line Driver XLR 1 Normal In |
Ausgänge: |
1 Kopfhörer |
Fußschalteranschlüsse: |
1 Effekt |
Effekteinschleifweg: |
1 Send |
Schalter: |
1 Normal In On |
Regler: |
1 Volume |
Horst Stachelhaus
Mit freundlicher Genehmigung des Nitschke Verlags GmbH, Euskirchen