zurück

Auszug! Für vollständigen Bericht klicken Sie bitte Gitarre&Bass Testberichte an!

Gitarre&Bass 02/90

Glockenklang Bass Art Bassverstärker

Innerhalb kürzester Zeit hat sich der deutsche Hersteller Glockenklang mit vorzüglichen Verstärker-Anlagen bei den Bassisten einen Namen gemacht, der höchstes Qualitätsniveau signalisiert. Dem haftet wohl auch in weiten Kreisen noch der Ruch des Unerschwinglichen an, schließlich hat High-End-Qualität ihren Preis. Doch ganz so unerschwinglich sind die feinen Glockenklang Bassverstärker seit der Vorstellung der Bass-Art Serie nun nicht mehr, und das bemerkenswerterweise, ohne daß Einbußen im hervorragenden Klangverhalten in Kauf genommen werden müssen. Brandheiß ist das Bass-Art-Topteil, welches die bereits vorgestellte Bass-Art-Vorstufe mit einer 300 Watt starken Endstufe in einem Gehäuse vereint.

Sound-Ergebnisse

Es war nicht anders zu erwarten: Auch das neue Bass-Art-Topteil, übrigens der erste Vollverstärker dieses Herstellers, begeistert durch seine ungeheuer detailreiche und transparente, offene und hautnahe Wiedergabequalität. Die eingebaute Endstufe setzt das Hi-Fi-Vorstufensignal kraftvoll und unverfälscht um, so daß auf dem Verstärkerweg zum Lautsprecher keine noch so winzige Kleinigkeit des filigranen Tonsignals unter den Tisch fällt. Die Class-A-Betriebsart von Vorund Treiberstufe kommt sonst fast ausnahmslos in Hi-Fi-High-EndKreisen zur Anwendung, und daß gerade diese superkritischen Ohren auf Klasse A schwören, wird schon seinen Grund haben.
Für technisch Interessierte: Bei der Class-A- Betriebsart wird der Arbeitspunkt der Verstärker/Transistoren in die Mitte ihrer (naturgemäß mehr oder weniger gekrümmten) Kennlinie verlagert, also quasi der Leerlauf hochgedreht. Der relativ hohe Leerlauf (Ruhestrom) erklärt die ungewöhnliche Wärmeentwicklung des Transistorverstärkers. Durch den hochgelegten Arbeitspunkt entfallen Kennlinien-bedingte Unlinearitäten (die sich durch die Krümmung der K. ergeben) bei der Verstärkung weitgehend, Übernahmeverzerrungen treten nicht auf.
Klasse A arbeitet das Tonsignal also prinzipiell sauberer und unverfälschter auf. Der Glockenklang-Verstärker führt vorbildlich vor, in welcher Weise diese aufwendigere Technik dem edlen BassSound zugute kommen kann! Offen und clean darf hier von Transistor- Kritikern nicht als hart und unnachgiebig gedeutet werden, wie dies bei manchem anderen Transistoramp sicher der Fall ist. Vielmehr sorgen Sauberkeit, Feinzeichnung und Plastizität der Wiedergabe hier dafür, daß auch extreme Brillanzen wohlklingend und gewogen rüberkommen, kellertiefe Fundament-Bässe sich transparent und differenziert entfalten und charaktervolle Mittennuancen im positiven Sinne zur Geltung kommen. Bassisten, die für ihr EdelInstrument viel Geld auf die Theke geblättert haben, sollten ihren Bass einmal über den Glockenklang hören; wahrscheinlich haben sie noch nie so "tief' in ihr Schmuckstück hineingehorcht. Die Boxen müssen natürlich in der Lage sein, das cleane Verstärkersignal angemessen umzusetzen. Dazu ist nicht unbedingt eine teure Hi-Fi-Bassbox (Glockenklang bietet entsprechendes an) vonnöten; der Bass-Art-Amp kann an sämtlichen modernen Marken-Boxen durch seine außergewöhnlichen Klangleistungen überzeugen.
Da natürlich nicht jedermann auf einen unverfälschten High-Fidelity-Basston aus ist, besitzt das Topteil auch eine effektive Klangregelung, mit der eigene Bass-Sounds kreiert werden können. Die beiden separat zuschaltbaren Equalizer sind in ihrer Wirkungsweise geschmackvoll auf das Instrument E-Bass zugeschnitten, bieten neben den diversen Kombinationen auch extreme Einstellmöglichkeiten - siehe Preamp-Test in 09/89.
Ich kann nur frei zitieren: Obwohl mit dem Glockenklang der Edelbass-Klangfetischist voll auf seine Brillanzen kommt, hat der Hersteller nicht zugunsten der Linear-Puristen die Klangregelung vernachlässigt, sondern sondern auch dafür Sorge getragen, daß der Bass Art auch andere Geschmäcke optimal bedient. Geschmackvoll und in großer Variationsvielfalt garantieren die umfangreichen, hochwertigen Klangregel-Features dafür, daß der Edel- Grundsound wenn schon, denn schon, wenigstens standesgemäß "verbogen" wird.
Positiv fällt außerdem auf, wie schnell und konsequent der Hersteller auf Kritik aus Benutzerkreisen reagiert; aus der ehedem kümmerlichen MinimalAusstattung in Sachen Einschleifweg wurde nun eine vorbildliche Schaltung, die weit Überdurchschnittliches bietet und optimale Ergebnisse mit eingeschleiften Effekten garantiert. Die bei der Vorstufe monierte, fehlende Frequenzweiche ist auch beim Bass-Art-Top nicht vorhanden, doch fällt dies bei einem so umfassend ausgestatteten Vollverstärker nicht so stark ins Gewicht. Den BiampingFans wird durch das Bässe-Filter im parallelen Einschleifweg ohnehin einer der Hauptgründe für den aufwendigen Zweiweg- Aufbau genommen: Effekte können nun beim Glockenklang ebenso luftig, transparent und räumlich erklingen. Die Überarbeitung der vorher schon tollen Bass-Art-Vorstufe hat sich für den Musiker voll gelohnt, und der Vollverstärker als Ganzes setzt neue Qualitätsmaßstäbe!

Resümee

Der Bass-Art-Verstärker von Glockenklang kann nun als voll ausgereift bezeichnet werden, dieses 19"-Top ist einer der durchdachtesten, feinsten Bassamps auf dem Markt - und in der Spitzenklasse nicht einmal der teuerste. Klanglich wird ihm wohl keiner etwas vormachen können, und das gilt nicht nur für den unglaublich detailreichen, sauberen und unverfälschten Grundsound, denn der Amp ist dabei noch mit zwei hervorragend abgestimmten Klangregelungen ausgestattet. Ebenso ist das neue Bass-Art-Top konzeptionell und ausstattungsmäßig nun vorbildlich ausgeführt; was darf man sich da noch mehr wünschen? Weiter so!

Dirk Groll

Mit freundlicher Genehmigung des MusikMedia-Verlages, Köln

zurück