Der schwarze Baron
Glockenklang Bass Art Preamp
Test: Bassvorstufe
Marke: Glockenklang
Typ: Bass Art
Autor: Oliver Poschmann
Typ: Rocker
Daß dieser Test ein anderer werden würde als man es
gewohnt ist, war mir bereits klar, als ich erfuhr, daß mir die Aufgabe
zuteil kommen würde, diese mehr als ungewöhnliche Vorstufe zu testen.
Bis dahin eilte diesem Gerät, das seine Generalpremiere in Form der"Bugatti"-
Anlage auf der Frankfurter Musikmesse 1988 absolvierte, ein lobschallender Ruf
voraus und wie immer, wenn etwas über allen Tadel erhaben zu sein scheint,
ist man natürlich besonders skeptisch und kritisch, jedenfalls sollte man
das in einem solchen Falle sein. Nichsdestotrotz scheinen sich die Konstrukteure
dieser Anlage durchaus dieser Tatsache bewußt gewesen zu sein, als sie
ein Vorstufe konzipierten, die letztendlich die Zweittausendmark-Grenze überschreitet,
ganz zu schweigen von dem Endpreis der gesamten Anlage (die Rede ist von der
Glockenklang "Bugatti").
Das Vorstufenmodell nun, welches hier vorgestellt wird, ist ein "preiswerte"
Variante der Bugatti Vorstufe und nennt sich 'Bass Art'. Sie unterscheidet sich
von ihrer großen Schwester durch einen fehlenden Stereo- Effektweg und
einem, statt zwei Line- bzw. D.1.-Ausgängen. Außerdem ist ein Teil
der Klangregelung mit etwas anderen Bauteilen ausgestattet. Ebenso fehlt ein
Lüfter, der im Gegensatz zur "Bugatti" auch nicht notwendig ist.
Dennoch! Eine Vorstufe in dieser Preislage? Die muß ja wohl einiges können,
ist sie denn programmierbar? Besitzt sie einen Multieffektprozessor? Hat sie
gar einen MIDI- Converter oder einen Sender eingebaut??? und, und, und ...
Mitnichten! Nichts dergleichen kann die Glockenklang "Bass Art" ihr
Eigen nennen, warum in Allerweltsnamen Namen ist sie dann bloß soo teuer?
Um diesem Phänomen auf den Grund zu gehen, gibt es letztendlich nur einen
Weg: Anhören, auf zum Nieren-Test.
Das Äußere
Die "Bass Art"-Vorstufe befindet sich in einem stabilen mattschwarzen
Stahlblech Rackgehäuse, welches 2 Höheneinheiten umfaßt. Rechts
und links am Aluminium Frontpanel befinden sich zwei Alu-Griffe zum Transport
außerhalb eines Racks, die außerdem noch durch angenehmes Design
auffallen und durch ihre runde Beschaffenheit nicht in die Finger schneiden.
Links befinden sich zwei Input-Buchsen. Die "Normal-In"- Suchse als
normaler Klinkeneingang und die "Line Driver In"-4-Pol XLR-Buchse,
deren Besonderheit ich später erläutern werde. Ein Druck-Schalter
ermöglicht das Hin- und Herschalten zwischen den beiden Inputs, die nicht
gleichzeitig zu betreiben sind.
Wie bei sämtlichen Schaltern der "Bass Arf' wird deren Stellung (on/off
Position) von einer jeweils darüberliegenden runden LED angezeigt. Gleich
daneben findet sich ein Klinkenausgang (Tune, Send) zur Speisung eines Stimmgerätes,
der die Vorstufe stumm schaltet, wenn er anhand eines Schalters in Betrieb genommen
wird. Wie lange mußte es dauern, bis endlich ein Hersteller diese Anregung
von zig Musikern aufgenommen und verwirklicht hat. Der "Gain-Regler"
ist mit einer, mittlerweile zum Standard gewordenen, Peak Anzeige LED ausgestattet,
die eine optimale Anpassung zwischen Bass und Vorstufe ermöglicht.
Die Klangregelung
ist in zwei Sektionen unterteilt. Zum einen die herkömmliche Baß-
und Höhenregulierung, Parametrische Mitten- und Presenceregulierung zum
anderen. Beide Sektionen sind unabhängig voneinander an und abschaltbar.
Auf diese Weise läßt sich immer wieder der Vergleich zum Direkt-(Line-
)Signal herstellen. Die parametrische Sektion ist per Fußschalter abrufbar.
Des weiteren befindet sich auf der Vorderseite der Insert-On-Schalter, zum Ein/
Ausschalten des Effektweges (abrufbar per Fußschalter der Volumen-Regler
und ein Kopfhöhrerausgang, der die Vorstufe nicht stummschaltet wenn er
benutzt wird. Zuguterletzt kommt dann der Netzschalter mit der Kontroll-LED.
Auf der Rückseite befinden sich der asymmetrische Line-Ausgang (XLR) zur
Speisung der Endstufe und ein symmetrischer D.1.-Ausgang (XLR) zur Abgabe des
Direktsignals an das Mischpult, wobei hier diverse Schaltungs- und Anpassungsoptionen
bestehen. Wahlweise läßt sich hier das Signal modifiziert (also mit
Klangregelung und evtl. Effekt) oder direkt anbieten. Dazu gibt es ein Groundlift,
um Brummschleifen zu vermeiden. Hinzu kommen ein Effektweg (send/return) und
die zwei Klinkenanschlüsse für die Fußschalter zur Parametric-Schaltung
(FS 1) und MonoEffektweg (FS 2). Sämtliche XLR- Buchsen sind genietet,
werden sich also nie durch Vibration lösen können.
Im Einsatz:
Beim Einschalten der Anlage ist kein Brummen zu hören, keine unangenehmen
Nebengeräusche machen sich bemerkbar, ein leises Grundrauschen ist jedoch
auch hier zu vernehmen, absolut normal. Glockenklang hat in seiner Forschungszeit
ein Hauptübel im Phänomen des Klangverlustes ausfindig gemacht, welcher
nach deren Aussage in erster Linie bereits im Kabel vom Bass zur Anlage stattfindet.
Um diesem Phänomen entgegenzuwirken, ist man hingegangen und hat die Vorstufe
mit einem dazugehörigen Kabeltreiber ergänzt, welcher mit einem 4-
Meter Spezialkabel zwischen Bass und Vorstufe geschaltet wird. Die Stromzufuhr
erhält der Treiber von der Vorstufe. Da dieser Kabeltreiber jedoch fürden
Liveeinsatz etwas unhandlich ist, besteht auch die Option, ihn in den Bass einbauen
zu lassen, was natürlich den Nachteil in sich birgt, ihn ausschließlich
an dieses Instrument zu binden. Dazu kommt, daß dieses Zusatzgerät
noch einmal einen Aufpreis von ca. 440 DM mit sich bringt.
Die Ergebnisse, die dieses Teil erzielt sind aber in der Tat überdeutlich
wahrnehmbar. Der gesamte Frequenzbereich wird noch einmal erheblich erweitert,
was jedoch einigen Bässen, vor allem mit aktiver Klangregelung, zum Verhängnis
werden kann, hört man doch, wie stark auch negative Eigenschaften, wie
zum Beispiel starkes Grundrauschen verstärkt werden. Ohnehin erscheint
mir der Liveeinsatz etwas zweifelhaft, vor allem bei der Verwendung eines Senders.
Selbst bei der Benutzung eines 10 Meter-Kabels, wie bei meinem Live-Test der
Fall, habe ich den Kabeltreiber nicht vermißt. Im Studio sieht die Sache
wieder anders aus.
Der Sound
... erscheint einem beim ersten Anschließen nicht außerordentlich
anders als bei jeder anderen Vorstufe auch, doch muß ich bereits nach
zehn Minuten meinen ersten Eindruck revidieren. Was diese Vorstufe hier leistet
ist, wirklich noch nicht dagewesen. Die Klangregelung, so simpel und primitiv
sie manchem Techno Freak auf Anhieb erscheinen mag, ist ungeheuer effektiv und
präzise. Der Bass klingt sehr klar und definiert, jedoch in keiner Weise
kalt oder gar hart. Die Höhen und Präsenzen sind überdeutlich,
jedoch in keinem Falle unangenehm, denn sie äußern sich nicht in
ätzenden Frequenzausbrüchen, sondern durch außerordentlichen
Obertonreichtum. Die Bässe, vor allem im Sub-Bereich, sind phänomenal.
Man spürt die volle Frequenzentfaltung des Basses ohne Wummern und ohne
Zischen oder Klirren. Die tiefe H-Saite eines Fünfsaiters reproduziert
die "Bass-Art" absolut definiert. Der Bass (im Prinzip egal welcher)
klingt über das ganze Griffbrett hin ausgewogen und sehr dynamisch. Durch
die Abdeckung bzw. Wiedergabe eines vollkommenen Frequenzbildes ist der Bass
im Live-Einsatz selbst bei geringerer Lautstärke besser hörbar, als
mit anderen Vorstufen bei größerer Lautstärke.
Die Anpassung des Effektweges ist sehr gut, die einzelnen Druckschalter an der
Frontseite arbeiten geräuschfrei. Die Vorstufe hat ein sehr hohes Output
und vermag der Endstufe sehr viel Schub zu geben, genug um in jedem Fall ausreichend
Toleranz zu haben, was der Signalübertragung sehr zugute kommt.
Die "Bass-Art" ist eine ungewöhnliche Vorstufe, sie läßt
einen Bass so gut klingen, wie er zu klingen in der Lage ist. Nach kurzer Zeit
stellt sich bereits ein solches Wohlgefühl im Sounderlebnis ein, daß
ich den Umstieg auf eine andere Vorstufe schon nahezu als Entzugserscheinungsgefühl
beschreiben würde.
Die Glockenklang "Bass-Art" ist ebenso wie die "Bugatti"
kein Produkt von der Stange. Das verwendete Material ist von höchster Qualität.
Wer Extra- Wünsche an den Konstrukteur hegt, bekommt diese auf Wunsch mit
Sicherheit im Rahmen des Möglichen erfüllt. Eines muß klar sein
man muß sich in Anbetracht de& Preises bewußt werden, ob man
für seine Tätigkeit einen Mercedes braucht oder ob es auch eine Ente
tut. Wer jedoch am Tag 1000 km absolviert, kommt auf kurz oder lang nicht mehr
mit dieser Alternative aus, und wer dann einmal im Benz gesessen hat, der will
nicht wieder raus.
In diesem Sinne, give it a try!!! Es lohnt sich
Features:
19" Rackgehäuse, 2 HE,
Vorderseite: Volume-, Gainregler, Peak-LED;
Inputs: 1 Normal In, 1 Line Driver In (4Pol XLR); Kopfhörer, Tune Send;
Klangregelung: Bass-, Höhensektion;
parametrische Mitten-, Presencesektion, getrennt an- und abschaltbar
Rückseite:
Outputs: 1 Line Out (XLR asymmetrisch) 1 D.l. Out (XLR symmetrisch); Monoeinschleifweg
(parallel);
Gewicht: 4,2 kg