BASS
PROFESSOR 1/2003
Karsten Fernau
GLOCKENKLANG
Bass Art Classic Preamp - Bugatti 300 Poweramp - Bass Art Classic Box
Würde man Bassbauer und Bassisten weltweit befragen, welches Verstärkungssystem die absolute Referenzklasse darstellt, wird ganz sicher immer wieder der Name Glockenklang fallen. Diesen guten Ruf hat sich das kleine Unternehmen aus Herford durch Produkte erarbeitet, die das Instrument "Bass" in seinem gesamten Detail- und Dynamikreichtum abbilden. Für unseren Test stehen uns nun die Produkte zur Verfügung, die schon gleich bei ihrem Erscheinen vor nahezu fünfzehn Jahren als "State of the art" bezeichnet wurden. An diesem Status hat sich bis heute nichts geändert, zumal die Geräte mit vielen Features ausgestattet wurden, die sich im Laufe der Weiterentwicklung als sinnvoll herausgestellt haben.
Technik - Preamp
Zwar könnte der Zusatz "Classic" in der Modellbezeichnung der
Bass-Art-Vorstufe vermuten lassen, dass hier eine Legende konserviert werden
sollte, doch bei aller Verbundenheit zu dem alten Bass-Art-Konzept handelt es
sich bei diesem Preamp um ein mehr als zeitgemäßes Update. So hat
man beispielsweise die zweikanalige Eingangs-Sektion der Soul-Baureihe übernommen.
Mit diesem Feature, das viele Bassisten sicherlich sehnsüchtig erwartet
haben, kann man nun an einer Vorstufe zwei Bässe abwechselnd betreiben,
ohne dass umgestöpselt werden muss oder Pegel-Nachregulierungen nötig
werden. Möglich wurde dies durch die beiden umschaltbaren Eingänge,
von denen Input B mit einem eigenen Anpassungsregler versehen wurde. Dieser
zweite Eingang ist prinzipiell für Bässe mit etwas höherem Pegel
ausgelegt, und so verwundert es auch nicht, dass der vierpolige Eingang für
den hauseigenen Gürtelclip-Preamp an Kanal B anliegt. Besagter Preamp,
der auch unter dem Begriff "Kabeltreiber" bekannt ist, kann von Glockenklang
als optionales Zubehör bezogen werden, und ist sicherlich für Bassisten
interessant, die einen passiven Bass spielen. Anders als bei dem normalen Betrieb
mit einem langen Kabel kommt es nämlich mit dem aktiven Kabeltreiber nicht
zu den üblichen Höhenverlusten.
Die Anpassung beider Inputs an den Verstärker erfolgt über einen Gain-Regler,
dessen Peak-LED nur bei harter Spielweise leicht aufleuchten sollte. Vervollständigt
wird der Eingangsbereich durch einen Mute-Taster (Tune), der alle Ausgänge
bis auf den rückseitigen Tuner-Out stummschaltet.
Die nächste Sektion beinhaltet eine einfache Zweiband-Klangregelung mit
den Center-Frequenzen 60 Hertz für den Bass- und 12 Kilohertz für
den Höhenbereich. In typischer Glockenklang-Manier lässt sich selbst
dieser rudimentäre EQ aus dem Signalweg per Schalttaste entfernen.
Ebenso kann man mit der nächsten Klangregelungs-Abteilung verfahren. Sie
umfasst zwei semiparametrische Mittenregler, wobei der Low-Mid-Bereich bis 45
Hz hinunter reicht, und somit tiefer ansetzt als der eigentliche Bassregler.
Und da auch der Hi-Mid-Regler bis 6 KHz arbeitet, könnte man die Parametrik
auch als alleinige Klangregelung benutzen.
Die umfangreiche Effect-Sektion ist auf der Vorderseite lediglich mit einem
Intensitätsregler vertreten. Auch dieser Bereich wird erst per Schalttaste
dem Signalweg zugefügt.
Vervollständigt wird das aufgeräumte Bild der Vorderseite durch den
Volumenregler, der gleichzeitig auch der Master für das gesamte Glockenklang-Türmchen
ist, da die Endstufe keine Pegelsteller besitzt.
Auf der Rückseite befindet sich eine Vollausstattung hinsichtlich der Übergabepunkte
zu anderen Geräten. Neben dem Line Out zur Endstufe, der mit einer XLR-
und einer Klinkenbuchse versehen ist, ist hier ein komfortabeler DI-Out untergebracht,
der sowohl im Pegel regelbar ist als auch eine Pre-/Post-Umschaltmöglichkeit
bietet. So kann man das Signal entweder vor der Klangregelung und den Effekten
oder danach abgreifen. Der Ausgang befindet sich allerdings vor dem Mastervolumenregler,
so dass der Pegel unabhängig von der Bühnenlautstärke eingestellt
werden kann.
Eine Besonderheit stellt der parallele Effektweg dar, der eine Effektgerät-Ansteuerung
mit einem in den Bässen beschnittenem Signal ermöglicht. An einem
Trimpoti lässt sich in einem Bereich zwischen 25-500 Hz einstellen, wie
viele Bassanteile den nachfolgenden Effekt durchlaufen sollen. Da es sich ja
um einen parallelen Effektweg handelt, kann nun dem trockenen Fullrange-Signal
ein "matschfreies" Effektsignal zugemischt werden.
Der zweite Effektweg ist als serieller Insert ausgelegt - das Signal läuft
also komplett durch das angeschlossene Zusatzgerät, was bei der Verwendung
von Kompressoren und zusätzlichen Klangregelungen ja auch notwendig ist.
Ach ja - per Schalttaste lässt sich natürlich auch diese Sektion wieder
aus dem Signalweg herausnehmen!
Einige der Schaltfunktionen, wie der Effect-Loop und der Tuning-Mute, sind im
Übrigen auch zusätzlich über Klinkenbuchsen per Fußschalter
zu bedienen. Um bei allen Schaltmöglichkeiten nicht die Übersicht
zu verlieren (alleine auf der Vorderseite befinden sich sechs Schalttasten),
leuchtet bei der Aktivierung der jeweiligen Funktionen eine dazugehörende
LED auf.
Neben allen Erweiterungen bezüglich der Ausstattung hat man aber auch das
Innenleben des neuen "Classic" verfeinert. So werden
alle Verstärkungsstufen in Class-A-Technologie ausgeführt. Auch wenn
dieses Amp-Konzept sehr uneffezient ist, und einen großen Teil der Leistung
in Hitze umwandelt, so stellt es unter klanglichen Gesichtspunkten neben der
Röhrentechnologie das Nonplusultra dar. Aufgrund der geringen Verzerrungen
eignet es sich bestens, um einen Verstärker mit Hifi-Eigenschaften aufzubauen.
Und da bei dem Bass Art nun auch die Klangregelungen in Class-A-Technik ausgeführt
wurden, darf man schon sehr auf die Performance gespannt sein!
Fazit:
Hervorragend auf die tatsächlichen Bedürfnisse zugeschnittene
Ausstattung und ein "high-fidelitysches" Innenleben.
Technik - Endstufe
Entgegen allen Trends zu immer kleiner und leichter werdenden Poweramps kommt
die Bugatti-Endstufe mit einem Lebendgewicht von ca. 28 Kilogramm daher, die
auf drei Höheneinheiten verteilt wurden. Und da diese "Wuchtbrumme"
in erster Linie als festinstallierte Abhörendstufe für Studios und
nicht im Rock'n'Roll-Business verwendet wird, wurde auf stabile Tragegriffe
verzichtet. So gestalten sich die ersten Materialbewegungen vom Karton bis zur
endgültigen Testaufstellung leider als schweißtreibender Kraftakt
("Auch wenn sich die Finger schon durchbiegen - nur nicht fallen lassen,
denk an den Preis!").
Ursache für das hohe Gewicht der Endstufe, die pro Kanal gerade einmal
160 Watt an eine 8-Ohm-Box abgibt, sind die überdimensionalen Netzteile
der Bugattis. Wie bei einem Auto, bei dem man souveräne Kraftentfaltung
auch nur aus einem bulligen Motor holen kann, sorgt bei Endstufen nur eine wirklich
solide Stromversorgung für dauerhaft kraftvolle Leistung.
Aktiviert werden die Powerblocks über den mit einem Potiknopf versehenen
Drehschalter auf der Vorderseite. Nach einem kurzen Sicherheits-Check schaltet
die kleine LED-Ampel aus dem Protect-Modus von rot auf grün und die Lautsprecher
werden schonungsvoll nach dieser kleinen Verzögerung dazu geschaltet. Etwaige
Pegelspitzen werden durch orange Lämpchen signalisiert. Angst um seine
Speaker muss man sich in dem Fall aber nicht machen, da ein Peak-Limiter unaufdringlich
aber wirkungsvoll das Schlimmste verhindert. Auch in anderer Hinsicht ist für
Sicherheit gesorgt. So ist die Endstufe standardmäßig gegen Übertemperatur,
Kurzschluss und Gleichstrom geschützt.
Auf der Rückseite befinden sich pro Kanal die parallelen XLR-Ein- und -Ausgänge
sowie die Polklemmen für die Lautsprecher. Das Fehlen von Klinkenbuchsen
oder Speakon-Anschlüssen zeigt einmal mehr, dass diese Endstufe nicht in
erster Linie für den Road-Einsatz konzipiert wurde.
Da man die beiden Verstärker nicht durch einfaches Umschalten brücken
kann, müssen zusätzliche Verbindungskabel angeschlossen werden. So
muss man mit einem Spezialkabel die beiden Eingänge der Kanäle verbinden,
sowie eine Kabelbrücke zwischen den beiden Minus-Polen der Lautsprecherausgänge
legen. Schließt man dann die Box an die noch offenen Polklemmen an, steht
einem die Leistung von stolzen 600 Watt an 8 Ohm zur Verfügung. Trotz dieses
Wertes kommt die Bugatti ohne einen Lüfter aus, was man besonders im Studio
oder auf sehr leisen Bühnen begrüßen dürfte.
Fazit:
Schwer, aber mit einer Technik, die auch Schweres verkraftet!
Technik - Bassbox
Optisch ist der Unterschied der Classic-Box zur Bass Art der ersten Stunde
nicht sehr groß, doch spätestens beim Anheben merkt man, dass sich
hier etwas getan hat. Mit einem Gewicht von 29 kg ist sie um einiges leichter
als ihr Urvater, und damit gerade einmal so schwer die Endstufe. Und angesichts
der praxistauglichen Griffschalen lässt sich die Box dann auch mühelos
transportieren. Möglich wurde die Gewichtsreduzierung durch eine veränderte
Gehäuse-Bauweise, die ihre Eigenresonanz-Armut aus der Nadelfilz-Verkleidung
von außen sowie einer Schaum-Auskleidung von innen erzielt.
Nach wie vor ist die Bass Art mit einem Fünfzehnzoll-Basslautsprecher und
einem Zweizoll-Kalottenhochtöner bestückt. Ein herkömmlicher
Tweeter wäre zwar erheblich preisgünstiger, hätte aber nie den
Anforderungen an eine möglichst linear klingende Box entsprochen.
Gleich neben dem Hochtöner befindet sich die große, kreisrunde Reflexöffnung,
die der Classic einen weit in den tiefsten Basskeller reichenden Frequenzgang
beschert.
Eine Besonderheit stellt die Frequenzweiche dar, die durch eine Frequenzverschiebung
von Studio auf Stage umgeschaltet werden kann.
Da bei dieser 500-Watt-Box schon ganz beträchtliche Ströme fließen,
wird die Endstufe vorzugsweise über einen Speakon-Anschluss angenabelt.
Fazit:
Beste Zutaten in einem transportablen Gehäuse.
Performance
Was soll man klanglich von einem Stack erwarten, dessen Einzelkomponenten jeweils
das Maß aller Dinge verkörpern? Schon die ersten Töne machen
klar, dass diese Glockenklang-Produkte nicht umsonst zur Referenzklasse gehören,
und von vielen Bassherstellern zur Entwicklung und Überprüfung ihrer
Instrumente benutzt werden. Man hat in der Tat das Gefühl, wie mit einem
Kopfhörer die Feinheiten des Basses zu enthüllen, wobei der Sound
aber auch körperlich fühlbar in den Raum projiziert wird. Erscheint
einem das Ergebnis bei linear eingestellter Vorstufe zunächst recht unspektakulär,
so ist dies in erster Linie auf den angeschlossenen Bass zurückzuführen.
Die Anlage überträgt schließlich nur so ziemlich genau das,
womit sie gefüttert wird. Dabei erscheint die Abbildung des Sounds nie
akademisch und steril, sondern stets rund und warm. Die enorme Transparenz im
gesamten Spektrum bringt aber mit sich, dass man das Alter der Saiten quasi
"beinahe auf den Tag genau" bestimmen kann. Und: Einen schlechten
Bass und einen schlechten Spieler enttarnt das Glockenklang-Rig sofort und schonungslos.
Ein sauber gespieltes, edles Instrument hingegen wird von der Anlage auch entsprechend
gewürdigt.
Nun ist das Stack aber mehr als nur ein Richter mit den Qualitäten eines
Ganzkörper-Kopfhörers. Vielmehr lässt sich mit Hilfe der flexiblen
Vorstufe eine Riesenpalette von Soundvorstellungen verwirklichen. Speziell die
Parametrik erweist sich dabei als williges Werkzeug. Zwar kann man bereits mit
den Bass- und Treble-Reglern eine gewisse Einfärbung vornehmen, doch angesichts
der enorm feinzeichnenden Höhenübertragung sind Anhebungen bei 12
kHz nicht mehr ernsthaft erforderlich. Und auch im Bassbereich unterbreitet
der benachbarte Low-Mid-Regler ein Angebot, das man nicht abschlagen kann. Denn
gerade im Bereich von etwa 100 Hertz setzt der Glockenklang Punch-Bässe
frei, die wie eine Faust auf die Magengrube schlagen. Die Bugatti-Endstufe kann
dabei ihre Impulsfestigkeit und Dynamik bravourös unter Beweis stellen.
Und auch die Box geht mit solcherlei Attacken um, als würde man sie bei
Zimmerlautstärke betreiben - und dabei blinzeln mich schon die Peak-Leuchten
an!
Diese unverfälschte Wiedergabe bei hohen Pegeln unterscheidet Glockenklang
von den meisten anderen Verstärkern. Oftmals werden bei diesen im Grenzbereich
die Höhen ätzend und scharf, und die Bässe wirken komprimiert
und erschöpft. Die Bass Art-/Bugatti-Anlage hingegen arbeitet luftig und
muskulös weiter. Ganz nebenbei kann man trotz des immensen Pegels immer
noch an kleinen Sound-Nuancen "herumdoktern". So stelle ich fest,
dass mein Bass passiv mehr Durchsetzungskraft besitzt als aktiv, ohne dabei
übermäßig an Draht zu verlieren. Im Aktiv-Modus werden die ultrahohen
Brillanzen, die bei einer normalen Anlage schon gar nicht mehr übertragen
werden, von dem Glockenklang sogar noch überdeutlich abgebildet. Statt
dann aber am Verstärker Höhen abzusenken, erweist sich das Umschalten
der Box von Studio auf Stage als Patentlösung. Der Höhenbereich erscheint
nun zugunsten wärmerer Hochmitten nach unten verschoben zu sein. Mit so
vielen Mitteln zur Klanggestaltung lassen sich dann auch so manche Unvollkommenheiten
des angeschlossenen Instrumentes kaschieren. Wahrscheinlich wird man mit diesem
unbeirrbaren Bass-Monitor im Rücken aber dennoch die Saiten öfter
als nötig wechseln...
Kommentar:
Keine Frage - diese Kombination von Bass-Art-Vorstufe und -Box mit der Bugatti-Endstufe
gibt in der Oberliga den Ton an! Ohne Rücksicht auf Gewicht und Kosten
hat "Mr. Glockenklang" Udo Klempt-Gießing eine Bassanlage realisiert,
die den Sound bis in höchste Lautstärken souverän und rein überträgt.
Neben diesem klanglichen Purismus weiß aber auch die überarbeitete
Vorstufe mit ihren vielen sinnvollen Features und einer überaus effektiven
und wohlklingenden Klangregelung zu gefallen. Somit ist dieser Stack nicht nur
ein Referenzgerät für Hersteller, sondern auch in der Lage bei den
Bassisten "draußen" Spielfreude freizusetzen.
Technische Daten:
Preamp
| Hersteller |
Glockenklang |
| Land |
Deutschland |
| Modell |
Bass Art Classic Preamp |
| Regler |
Trim
Input B, Gain, Bass, Treble, Low Mid (dB), Low Mid (Hz), High Mid (dB), High Mid (Hz), Effect, Volume, DI-Level, Basscut-Freq. |
| Schalter |
A/B,
Tune, EQ-On, Parametric-On, Effect-On, Power, Ground Lift, D.I. pre/post, Insert-On |
| Eingänge |
A, B/Linedriver, Effect-Return, Insert-Return |
| Ausgänge |
Line Out, DI, Effect-Send, Insert-Send, Tuner-Out, Footswitch Loop/Tune |
| Maße |
19", 2 HE |
| Gewicht |
4 kg |
| Preis |
ca. EUR 1050,- |
Poweramp
| Hersteller |
Glockenklang |
| Land |
Deutschland |
| Modell |
Bugatti 300 |
| Leistung |
2 x 300 W an 4 Ohm , 1 x 600 W an 8 Ohm (bridged mode) |
| Schalter |
On, 2 x Ground Lift |
| Eingänge |
2 x Line In XLR |
| Ausgänge |
2 x Line Out XLR (parallel m. Line In), 2 x Lautsprecher-Polklemmen |
| Maße |
19", 3 HE |
| Gewicht |
27 kg |
| Preis |
ca. EUR 1.950,- |
Box
| Hersteller |
Glockenklang |
| Land |
Deutschland |
| Modell |
Bass Art Classic |
| Speaker |
1 x 15", 1 x 2" |
| Belastbarkeit |
500 Watt |
| Impedanz |
8 Ohm |
| Maße (HxBxT) |
655 x 550 x 455 mm |
| Gewicht |
29 kg |
| Preis |
ca. EUR 1.500,- |