BASS PROFESSOR 1/2004
Ove Bosch
Glockenklang
Bass Art Classic Topteil
Die legendäre Bugatti-Anlage desselben Herstellers stand Pate für den Bass Art Classic. Immerhin ist hier dieselbe Endstufe verbaut wie in dem damals 16000,– DM (!) teuren Topmodell. Ganz so viel muss man heutzutage für das Produkt aus der Werkstatt von Udo Klempt-Gießing nicht mehr berappen. Trotzdem wartet der Verstärkerbolide mit erstklassiger Technik und Ausstattung auf.
Technische Merkmale
Konstruktion
Das Gehäuse des Bass Art besteht aus 2 mm starkem Stahlblech und ist schwarz lackiert. Es ist für den Einbau in ein Rack gedacht; man sollte allerdings oben ausreichend Platz lassen, so dass eine gute Belüftung gewährleistet ist. Nach unten dienen Gummifüße als Abstandhalter. Die Kühlrippen befinden sich an der Rückseite neben dem Anschlussfeld.
Der Verstärker hat drei Instrumenteneingänge. Input A für pegelschwache Instrumente, Input B für Bässe mit ordentlich Output. Die Inputs sind an einem Schalter wählbar, an einer LED ist der Schaltzustand abzulesen. Input B lässt sich an einem Trimregler noch an A angleichen, so dass zwei Bässe angeschlossen werden können. Der dritte Input besteht aus einer vierpoligen XLR-Buchse. Hier kann man den Glockenklang Line Driver anschließen, eine Art
Impedanzwandler. Dieser soll dazu dienen, auf dem Kabelweg kein Signal zu verlieren, was
bei längeren Kabelverbindungen durchaus schon mal vorkommen kann. Das Gerät kann optional für € 230,– erworben werden. Dieser Eingang ist über die Schaltklinke des Inputs B angeschlossen und wird deaktiviert, wenn in jener ein Kabel steckt.
Der mit „Tune“ beschriebene Druckknopf schaltet alle Ausgänge bis auf den Tuner Out stumm. Das gleiche kann per Fußschalter erledigt werden. Die Funktion des Gainreglers dürfte hinlänglich bekannt sein, eine LED zeigt Übersteuerung an.
Es folgt der erste EQ mit Bass- und Höhenregler. Deren Einsatzfrequenz liegt bei 60 Hz und 12 kHz. Ein Schalter aktiviert die Potis. Ebenfalls über einen Schalter wird der Mitten-EQ in Betrieb genommen. Es handelt sich hierbei um zwei semiparametrische Mittenregler. „Low Mid“ kann zwischen 45 und 900 Hz eingreifen, und „High Mid“ zwischen 0,3 und 6 kHz.
Mit dem „Effect“-Regler wird auf den parallelen Effektweg Einfluss genommen. Zwischen „nur Originalsignal“ und „nur Effektsignal“ kann stufenlos die gewünschte Intensität eingestellt werden. Ein Schalter gibt den entsprechenden Weg frei. Auch das kann per Fußschalter geschehen.
Der Volumepoti und der Powerschalter sind die letzten Bedienelemente auf der Vorderseite. Eine LED zeigt an, wenn eine der Schutzschaltungen (Gleichspannung am Ausgang, Kurzschluss, Überhitzung) in Aktion tritt – die Lautsprecher werden dann abgeschaltet. Eine andere LED informiert über die Aussteuerung der Endstufe und ob der Limiter aktiv ist.
Die Rückseite des Glockenklang bietet mannigfaltige Anschluss-, Regel- und Schaltmöglichkeiten. Zunächst findet man hier die zwei Speakonbuchsen zum Anschluss von Lautsprecherboxen. Die minimale Impedanz beträgt 4 Ohm, hier kann der Amp seine volle Leistung von 400 Watt abgeben. Als nächstes fällt unser Blick auf den Kopfhörerausgang. Eine solche Buchse macht meines Erachtens nach auf der Vorderseite eines Verstärkers mehr Sinn, da man nicht hinten im Rack rumfummeln muss, um in Ruhe üben zu können.
In der zweiten Reihe sind Aus- und Eingang des parallelen Effektloops untergebracht. An dem „Basscut“-Regler können die tiefen Frequenzen des Sendsignals abgeschnitten werden, um beispielsweise Effekte wie Chorus oder Hall ohne die Beeinflussung der tiefen Frequenzen zu ermöglichen. Die Grenzfrequenz ist zwischen 25 Hz und 500 Hz einstellbar. Zwei Fußschalteranschlüsse für die Tune- die Effectfunction stehen zur Verfügung. Sie liegen parallel zu den Schaltern auf der Frontplatte und haben dieselbe Funktion.
Ein D.I.-Ausgang darf selbstverständlich nicht fehlen. Der Groundliftschalter trennt die Masseverbindung zum Gehäuse, um eventuell entstehende Brummschleifen zu eliminieren. Eine „Pre/Post“-Schaltung ist Standard – mit ihr kann ich festlegen, ob das Signal, welches zum Mischpult geht, vor oder nach der Klangregelung des Amps abgegriffen wird. Mit dem „Level“-Poti lässt sich jetzt noch das Mischpult optimal aussteuern. Ein Stimmgerät kann am „Tuner Out“ angeschlossen werden.
Der serielle Effektweg nennt sich hier Insert, die Buchsen dazu finden sich in der unteren Reihe. Dieser Weg ist leider nur per Schalter auf der Rückseite des Amps schaltbar, bei Verwendung eines Kompressors beispielsweise, wäre es schön, auch diesen Weg per Footswitch aktivieren zu können. Es folgen noch ein „Pre Amp out“ und ein ebenfalls schaltbarer „Power Amp in“.
Die Effektwege des Bass Art Classic verdienen genauere Betrachtung. Der Insertweg befindet sich im Signalweg vor der Klangregelung, der Effectloop hinter der Klangregelung, aber vor dem Volumepoti. Als dritter Weg kann kann Pre Amp out / Power Amp in verwendet werden. Dieser liegt dann hinter dem Mastervolume, so das er sich ausschließlich auf das Lautsprechersignal, nicht aber, wie die anderen, auch auf den D.I. Ausgang auswirkt.
Fazit
Die umfangreiche Ausstattung und die hochwertige Verarbeitung machen deutlich, dass in der Entwicklung dieses Amps jahrelange Erfahrung steckt und detailversessene Köpfe daran beteiligt waren.
Sound
Bei den verwendeten Komponenten und angesichts des Preises darf man klangliche Höchstleisungen erwarten und eines vorneweg: Diese Erwartungen werden noch übertroffen!
In Ermangelung des Glockenklang Line Drivers, der nach Auskunft des Herstellers noch ein Quäntchen mehr Transparenz bringen soll, teste ich das gute Stück also mit einem garnz normalen Kabel.
Zunächst pegle ich mit Hilfe des „Gain“-Potis den Amp so ein, dass bei Signalspitzen die rote Peak-LED leicht aufflackert. Beide EQs bleiben erst einmal deaktiviert. Wenn man nun die Ausgangslautstärke hochfährt, merkt man bereits, was für Qualitäten in dem Bass Art stecken. Kein Rauschen oder Brummen ist zu hören. Angeschlagene Töne geben völlig unverfälscht und unverfärbt den Klangcharakter des Instrumentes wieder. Mit der aktiven Klangregelung meines Testbasses kann ich jetzt ganz feine Einstellungsänderungen vornehmen, die sofort hörbar werden. Man kennt das ja von diversen anderen Verstärkern, dass man, um geringe Klangveränderungen wahrnehmen zu können, ordentlich an den Reglern drehen muss. Nicht so hier. Es tönt sehr offen und luftig, dabei aber auch druckvoll und voluminös aus den Lautsprechern. Aktiviert man den Bass/Treble-EQ, hört man zunächst mal gar nichts. Erst bei Rechtsanschlag ist ein leichtes Rauschen des Höhenreglers zu vernehmen. Das ist allerdings vernachlässigbar gering, so dass es selbst im Studio keine Probleme bereiten wird. Niemals
werden die angehobenen Höhen aufdringlich, sondern lassen beispielsweise Flageolettes richtig fein perlig und durchsichtig erscheinen. Hebt man die Bässe an, macht sich schnell das Beinkleid selbstständig, derart fundamental geht es jetzt zu. Der zweite EQ ist für die tiefen und hohen Mitten zuständig. Man sucht sich am Frequency-Regler eine Frequenz, die man boosten oder cutten möchte und tut dies am db-Regler. Auf diese Art lassen sich so viele verschiedene und allesamt gute Klänge formen, dass der Test dieses Amps wesentlich länger
dauert, als ich es vermutet hatte – einfach weil es enormen Spaß macht. Fretlesssounds von nie gehörter Güte sind ebenso möglich wie ordentlich drückende Subbässe. Mein Ritter-Bass klingt über den Bass Art Classic fast wie ein Flügel!!! Akkordspiel oder Tapping werden sehr fein aufgelöst, und jede Unsauberkeit im Spiel wird zwar gnadenlos offenbart, aber andererseits erlaubt diese Ehrlichkeit es auch, dem Instrument Klänge zu entlocken, die man so noch nicht gehört hat, beispielsweise Flageolettes an ungewöhnlichen Stellen des Griffbrettes.
Ubersteuert man den Gainregler, werden leicht angezerrte Sounds möglich, die trotz Transistortechnik noch sehr angenehm und natürlich klingen. Selbst bei lautesten Pegeln kann der Amp nicht aus der Ruhe gebracht werden. Solch eine Dynamik und Pegelfestigkeit dürfte auf dem Verstärkersektor selten sein. Selbstverständlich braucht ein solcher Verstärker die entsprechende Peripherie. Eine oder mehrere sehr gute Lautsprecherboxen müssen es hier schon sein.
Was das Instrumentarium angeht, ist sicherlich mit sogenannten „Edelbässen“ das Optimum aus dieser „Kiste“ zu holen. Doch siehe da: auch mein alter Preci erreicht neue Klangsphären.
Fazit
Absolut saubere und detailgetreue Wiedergabe steht beim Bass Art Classic im Vordergrund.
Präzision und Offenheit, gepaart mit enormer Power und Dynamik zeichnen dieses Topteil aus.
Kommentar
Das Topmodell aus Herford ist ein Verstärker für Klanggourmets! Es verwundert keineswegs, dass diverse namhafte Bassisten schon zu den Glockenklang-Usern gehören. Vergleicht man den empfohlenen VK des Bass Art mit Preisen, die für die großen Topteile aus Übersee aufgerufen werden, kann man hier zwar nicht von einem Schnäppchen sprechen, aber durchaus von einer im wahrsten Sinne des Wortes preiswerten Anschaffung!
Ove Bosch
Maße / Daten
|
Hersteller / Herkunftsland |
Glockenklang / Deutschland |
Modell |
Bass Art Classic Top |
Leistung |
400 W an 4 Ohm |
Maße (H x B x T) |
4 HE x 19“ x 24 cm |
Gewicht |
17 kg |
|
Preis |
1999,– Euro |