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Gitarre&Bass 11/92
Glockenklang Heart Core Bassverstärker
Wem
der gute Ton seines teuren Instruments am Herzen liegt, ist in jedem Fall ein
potentieller Kunde bei Glockenklang. Die Bassanlagen dieses Herstellers haben
schon in etlichen Tests, in der Fachpresse und beim Musiker, ihre überragende
Wiedergabegüte unter Beweis gestellt. Mit dem Heart-Core-Topteil wird nun
ein neuer Verstärker vorgestellt, der stärker auf die Bedürfnisse
der Rockmusiker abgestimmt ist, die entsprechend konzipierte Heart-Core-Bassbox
ist ja schon seit einiger Zeit erhältlich.
Die erfolgreiche Bäss-Art-Linie wird natürlich weiterhin fortgeführt, der Heart-Core-Verstärker soll das Bass-Art-Top nämlich nicht ersetzen, sondern die Glockenklang- Produktpalette für einen gewissen Kundenkreis abrunden. Erfreulicher Nebeneffekt dabei ist, daß der Heart-Core-Amp aus verschiedenen Gründen deutlich preisgünstiger angeboten werden kann. Es handelt sich allerdings auch nicht um eine "Billigversion" der bewährten Glockenklang-Qualität, die klangentscheidenden Herzstücke des Verstärkers sind mit denen beim Bass Art quasi identisch, sondern schlicht und einfach um eine andere Amp-Konzeption.
Praxis
Da die klangentscheidenden Herzstücke des neuen Heart-Core-Tops, Eingangsschaltung
und Endstufe, mit denen des Bass-Art-Verstärkers quasi identisch sind,
darf auch hier von erstklassigen Wiedergabeeigenschaften ausgegangen werden.
Allerdings wurde die Eingangsschaltung trotzdem geringfügig modifiziert
und während der Bass Art für bedingungslos cleane Wiedergabe gebaut
wurde, sind nun beim Heart Core auch reizvoll angezerrte Sounds durch Übersteuerung
des Eingangs möglich. Der Gainregler erlaubt dafür den Zugriff auf
ausreichende Verstärkungsreserven. Bei gewollter Übersteuerung reagiert
dieser Amp nicht mit harschem Kratzen wie die meisten anderen Transistorverstärker,
sondern weist röhrenähnliche SoftClipping-Eigenschaften auf, mit denen
sich tatsächlich angenehm warm angezerrte Charaktersounds ä la Jack
Bruce realisieren lassen.
Weitere Unterschiede zum Bass Art ergeben sich im wesentlichen durch die anders
ausgelegten Klangregler. Der Bässeregler featured mächtige, fundamentale
Tiefbaßbereiche, die aber auch bei starken Anhebungen noch wohlkonturiert
und nicht matschig rüberkommen. Bei stärkeren Abdämpfungen scheint
er zunächst das Tonfundament zu stark abzudämpfen, was jedoch zusammen
mit dem frequenzmäßig sehr tief angesetzten Low-Mid-Regler interessante
Kombinationen ergibt. Der Low-Mid-Regler bearbeitet nämlich saftige und
drückende Hochbaß- und Tiefmittenfrequenzen, die dem Instrument kraftstrotzenden
Schub verleihen, aber bei zu starken Tiefbaßanteilen auch leicht dröhnen
können. Bei weit aufgedrehten Tiefmitten lassen sich dann die Bässe
am Baßpoti ausreichend stark abdämpfen, was insgesamt einen rockig-offensiven
Mittensound ergibt, dem es nicht an Tragfähigkeit mangelt, der bei aller
mittigen Druck- undDurchsetzungskraft aber dennoch nicht mulmig oder dröhnend
erscheint.
Der Mid-Regler (800 Hz) greift inkangbereiche ein, die beispielsweise das Klagen
und Singen eines Fretless-Basses gezielt erfassen. Für Plektrumspieler
lassen sich hiermit außerdem Farbe und Gewichtung des Anschlagsgeräuschs
effektiv variieren. Bei zurückgedrehten Mitten attackmäßig eher
zurückhaltend, bei geboosteten Mitten hingegen in den Vordergrund gerückt,
erscheint das Plektrumgeräusch stets vollmundig knackig und nicht klirrig
und dünn. Der MidRegler besitzt einen etwas geringeren Einstellbereich
als die anderen, was in dieser Frequenzlage, wo unser Ohr die größte
Empfindlichkeit besitzt, aber mehr von Vorteil als von Nachteil ist. Dadurch
ergeben alle Einstellungen charaktervolle und wirklich nutzbare-, fein dosierbare
Soundvarianten, auf quäkig-quälende bzw. zu körperlose Extremeinstellungen
wurde also bewußt verzichtet.
Der High-Mid-Regler würde bei anderen Fabrikaten ohne weiteres als Höhenregler
bezeichnet, und bei so manchem Bassamp liegt die Höhen-Klangregelung frequenzmäßig
sogar tiefer. Und als solcher dürfte er auch vom Heart-Core-Benutzer eingesetzt
werden, denn das, was man bei einem E-Bass unter "Mitten" versteht,
erfaßt er nicht. Als l,Höhenregler" nimmt er aber in geschmackvoller
Weise auf die allgemeine Klarheit und Durchsichtigkeit des Bass-Sounds. Er arbeitet
dabei effektiv drahtige Präsenzen und güldene Saitenschmatzer heraus,
wobei positiv anzumerken ist, daß die Klangwirkung in keiner Einstellung
klirrende Schärfe und übermäßige Spielgeräusche einbringt.
Harte, metallische Bundschmatzer können am eigentlichen Treble- Poti eingestellt
werden, zumindest, sofern die mit dem Heart Core betriebenen Lautsprecherboxen
solch hohe Frequenzen überhaupt noch reproduzieren. Feinfühlige Brillanzdämpfungen
führen nicht zu einem verhangenen Klangbild, weil eben nur die obersten,
harten Schmatzgeräusche erfaßt werden.
Resümee
Insgesamt präsentiert sich das Heart- CoreTopteil als überzeugende Alternative zu den bisherigen Glockenklang-Amps, weist ähnlich detailtreue Wiedergabeeigenschaften auf, seine Soundpalette berücksichtigt nun aber in geschmackvoller Weise stärker kraftstrotzende und mittenbetonte Sounds, wie sie zum Beispiel für Rockmusik gefragt sind. Bedeutend für diesen Einsatzbereich ist auch die kräftige Endstufenleistung, und daß sich auch röhrenähnlich charaktervoll angezerrte Sounds realisieren lassen. Nichtsdestotrotz stehen aber gleichermaßen auch betont cleani und trockene, feinzeichnende Funk- Einstellungen zur Verfügung, so daß sich der Heart Core als hochwertiger Allroundverstärkei empfehlen läßt. Für den professionellen Ein. satz im Studio und auf der Bühne ist der Heart-Core-Verstärker mit allen Features aus. gerüstet, sinnvoll konzipiert, ohne daß sein Komplett-Ausstattung unübersichtlich wirkt.
Dirk Groll
Mit freundlicher Genehmigung des MusikMedia-Verlages, Köln