BASS
PROFESSOR 4/2004
Ove Bosch
GLOCKENKLANG
Unlängst hatten wir erst den Bass Art Classic getestet. Nun kommt mit dem Heart Rock ein weiteres neues Modell in der Verstärkerreihe von Glockenklang dran. Die Vorstufe basiert auf dem bekannten und beliebten Soul-Amp, jedoch wurden einige Feinheiten geändert. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die enorm kräftige Endstufe, die immerhin 750 Watt raustut!
Technische Merkmale
- Gehäuse aus Stahlblech
- drei Effektwege
- Gummifüße
- Regler vorn: Trim Input B, Gain, Bass, Low, Mid, High, Treble, Effect, Volume
- Regler hinten: D.I.-Level
- Schalter vorn: Tune, Input Switch, EQ, Effect, Power
- Schalter hinten: Groundlift, D.I. pre /post, Insert, Poweramp in
- Eingänge vorne: Input A, Input B
- Eingänge hinten: Effect return, Insert return, Poweramp in
- Ausgänge: 2 x Speaker (Speakon), Effect send, Footswitch Loop, Footswitch
Tune, D.I. out, Tuner, Insert send, Preamp out
Konstruktion
Ein stabiles Gehäuse aus 2-mm-Stahlblech schützt das Innenleben des
Amps. An der linken Seite wurde ein Lüfter integriert; Kühlschlitze
sind oben und unten zu finden. Gummifüße stellen ausreichenden Abstand
des Heart Rock nach unten sicher. Oben und seitlich sollte man genügend
Freiraum einkalkulieren, denn die Endstufe benötigt aufgrund ihrer hohen
Leistung viel Frischluft.
Die gesamte Verarbeitung wurde perfekt ausgeführt - sowohl außen,
als auch im Inneren des Amps. Zugegeben: Alles andere wäre aber bei diesem
Hersteller auch eine Enttäuschung gewesen!
Die schwarze Frontplatte beherbergt folgende Regel- und Schaltelemente: je einen
Input für passive und aktive Bässe. Letzterer kann am Trimpoti noch
genau in seiner Empfindlichkeit justiert werden. Die Eingänge können
am A/B-Schalter angewählt werden. Betätigt man die Tune-Funktion,
schaltet man den Amp still, und das Signal liegt lediglich noch am Tuner Out
an.
Der Gain-Regler erlaubt genaue Anpassung des verwendeten Instrumentes an die
Vorstufe, oder aber Übersteuerung derselben. Dazu später mehr. Eine
Peak-LED zeigt die Stärke des Eingangssignals an. Es folgt ein schaltbarer
Equalizer. Dieser ist aktiv ausgelegt - das bedeutet, man kann Frequenzen sowohl
absenken, als auch anheben. Der Regelbereich reicht von 60 Hz bis 12 kHz, wobei
die Einsatzfrequenz des Mittenreglers im Gegensatz zur Soulvorstufe etwas nach
unten gesetzt wurde. Er greift jetzt bei 550 Hz ein und ermöglicht damit
eine genaue Bearbeitung der "Fretless-Mitten". Der parallele Effektweg
ist schalt- und regelbar.
Auch eine zu hohe Endstufenauslastung wird abermals von einer Peak-LED angezeigt;
der Volumeregler erlaubt feindosierte Lautstärkeanpassung.
Die Rückseite des Heart Rock wartet mit einigen Besonderheiten auf. Wer
den Test des Bass Art Classic genau gelesen hat, ist mit ihnen vertraut. Zunächst
jedoch die "Standardausstattung": An die beiden Speakonbuchsen dürfen
Boxen angeschlossen werden, deren insgesamte Impedanz 4 Ohm nicht unterschreiten
sollte. Der D.I.-Ausgang ist vor oder nach der Klangregelung schaltbar. Zusätzlich
ist er dankenswerterweise regelbar. Ein Groundliftschalter kann die Masse vom
Gehäuse trennen. Die Fußschalterbuchsen für die Effect- und
Tune-Funktion sind parallel geschaltet zu den Druckknöpfen auf der Vorderseite
und haben die gleiche Funktion wie diese. An den Tuner Out kann ein Stimmgerät
angeschlossen werden; dieser Ausgang ist immer aktiv.
Wie alle Glockenklang-Verstärker verfügt auch der Heart Rock über
drei Effektwege. Den parallelen kennen wir schon, hinzu gesellen sich noch zwei
serielle. Zunächst der Insert: die hier angeschlossenen Geräte wirken
auch bei Pre-Schaltung des D.I. Out auf den Ausgang und somit auf den P.A.-Sound.
Geeignet ist diese Anschlussmöglichkeit beispielsweise für Kompressoren
oder ähnliches. Zwischen Pre- und Poweramp kann man ebenfalls seriell Effekte
einschleifen, die allerdings in keinem Fall auf den D.I. Out wirken. Das heißt,
die hier angeschlossenen Geräte beeinflussen lediglich den Bühnensound.
Zu verwenden ist diese Option beispielsweise für einen speziellen EQ, mit
dem man Resonanzfrequenzen herausfiltern möchte.
Die reichhaltige Ausstattung erlaubt eine Anpassung des Verstärkers an
jede vorstellbare Situation. Sicherlich werden viele Anwender das ein oder andere
Feature nicht benötigen, doch wer schon einmal in einer speziellen Situation
einen Anschluss oder eine Regelmöglichkeit benötigt hätte, diese
aber nicht zur Verfügung stand, wird für die mannigfaltigen Optionen
des Heart Rock dankbar sein.
Fazit
Sauberste Verarbeitung kombiniert mit vielseitigen Anschluss- und Regelmöglichkeiten
lassen das neueste Modell der Glockenklang-Verstärkerserie in einem extrem
guten Licht erscheinen.
Sound
Nachdem die Schutzschaltungen den Verstärker "freigegeben" haben
ist noch das Geräusch des Lüfters zu hören. Dieser ist nicht
schaltbar, doch selbst wenn der Heart Rock zu Aufnahmezwecken eingesetzt wird,
wird dieses leise Surren nicht stören.
Ohne Einsatz der Klangregelung fällt auf, dass dieses Modell einiges herzhafter
tönt als das Topmodell des Herstellers, der Bass Art Classic. Er packt
speziell in den tiefen Mitten deutlicher zu und entwickelt so einen Charakter,
den man ohne Zweifel als rockig bezeichnen darf. Da wir es aber bei alledem
immer noch mit einem Glockenklang-Aggregat zu tun haben, ist dieses Adjektiv
natürlich nicht im "Ampeg-Sinne" zu verstehen. Nein, der Heart
Rock geht trotz der beschriebenen Klangfärbung sehr fein auflösend
zur Sache und erlaubt sehr detaillierte Klänge. Selbst für Akkordspiel
und Flageolettes sind seine klanglichen Eigenschaften perfekt! Aber nicht nur
dafür: dreht man den Gainregler weiter nach rechts, kommt die Overdrive-Funktion
ins Spiel und die Vorstufe beginnt zu übersteuern. Dabei klingt die Verzerrung
niemals ätzend nach Transistor. Statt dessen fängt der Ton regelrecht
an zu singen und man könnte meinen, eine Röhre verrichtet hier ihren
Dienst.
Die Zerrstufe greift niemals brutal oder übertrieben ins Klanggeschehen
ein, statt dessen kann man sich an leicht angerauten Sounds erfreuen, bei denen
nie die Durchsichtigkeit verloren geht. Diese Tatsache finde ich sehr beeindruckend,
da Verzerrer in der Regel dazu neigen, den Sound zu "vermatschen".
Beim Heart Rock bleibt jeder einzelne Ton als solcher wahrnehmbar, was das vorhin
schon erwähnte Akkordspiel, genauso wie Tappingeinlagen oder Ähnliches
sehr plastisch erscheinen lässt.
Die Auslegung der Klangregler ist so gewählt, dass man mit kleinen Drehbewegungen
schon viel ändern kann. Dabei wurden die zu regelnden Frequenzbereiche
aber deutlich voneinander getrennt. Der generelle Unterschied einer aktiven
zu einer passiven Schaltung besteht ja in der Tatsache, dass sich die Regler
nicht gegenseitig beeinflussen. Dreht man beispielsweise am Bassregler, wird
der Sound nicht prinzipiell dumpfer. Vielmehr werden dem Sound wirklich nur
Bassfrequenzen zugefügt, und er wird voller und kräftiger, die Luftigkeit
wird aber nicht in Mitleidenschaft gezogen.
Alle Regelbereiche sind so ausgelegt, dass man auch extreme Veränderungen
vornehmen kann. Mit seinen 750 Watt hat der Verstärker genügend Leistung,
um auch bei Rechtsanschlag der beiden Tiefenregler nicht in die Knie zu gehen.
Wirklich perlende Brillanzen fügt der Treble-Regler zu. Hier führt
der Rechtsanschlag zu einem nicht überhörbaren, aber dennoch durchaus
im Rahmen bleibenden Rauschen.
Die vielseitigen Möglichkeiten, Effekt- und andere Peripheriegeräte
anzuschließen, ermöglichen es dem User, den Heart Rock ganz nach
eigenem Gusto in den Signalweg zu integrieren. Er stellt eine unglaublich flexible
Schaltzentrale dar, sowohl soundmäßig als auch in Verkabelungsfragen!
Fazit
Der Name des Heart Rock mag etwas irreführend sein, doch ist die Klangauslegung
dieses Boliden deutlich rockiger als man das seither von Glockenklang-Equipment
gewohnt war.
Kommentar
Udo Klempt-Gießing hat einmal mehr bewiesen, dass seine Geräte in
Sachen Bassverstärkung zu Recht zur absoluten Weltspitze zählen. Für
alle, denen die Amps des Herforder Herstellers bislang zu sauber waren, stellt
der Heart Rock eventuell die lang gesuchte Alternative dar. Dieser Verstärker
wird in Bassistenkreisen zweifellos eine große Fangemeinde finden!
Maße / Daten
Hersteller / Herkunftsland Glockenklang
/ Deutschland
Modell Heart Rock
Leistung 750 W an 4 Ohm
Maße (H x B x T) 3 HE x 19" x 33 cm
Gewicht 17 kg
Preis 1650,- Euro