Tools 4 music, Ausgabe 6.2003 Nov./Dez.

Sieben auf einen Streich!

 

Vergleichstest sieben Basscombos: Ampeg BA-115 HP, EBS »Gorm« GET-115, Gallien Krueger 700RB 115, Glockenklang »Soul Uno Deluxe«, Hughes & Kettner »Quantum« QC 415, Peavey »Combo 115« , Roland DB-700

 

Von Ingo Spannhoff

 

Standen beim letzen Basscombo-Vergleich (t4m 2/2003) hauptsächlich Amps mit einer Leistung um  100 - 120 Watt auf dem Prüfstand, so geht es diesmal um die »großen Brüder«. 300 Watt RMS sind heutzutage für eine Bassanlage nicht Besonderes mehr, speziell wenn eine tiefe H-Saite auf einer größeren Bühne brauchbar zu Gehör gebracht werden soll. Soll diese Anforderung auch noch mit einem halbwegs transportablen, kompakten Combo erfüllt werden, greifen die Hersteller gerne auf 15-Zoll-Lautsprecher zurück, sieben solcher Vertreter haben wir zum Test gebeten, darunter auch den brandaktuellen Hughes & Kettner »Quantum«.

 

 

In den Testzeitraum fielen mehrere Bandproben – Coverband mit fetter Gitarre und üppigen Keyboards ‑ und eine Aussage kann daher pauschal getroffen werden: Die Teile sind alle laut genug! Im Gegensatz zu einigen Kandidaten beim letzten Combovergleich hatte keines der Geräte Mühe, in der Band durchzukommen, auch nicht bei bewussten Tiefbass-»Quälereien« mit dem Fünfsaiter. Trotzdem gibt es in Sachen Druck und erzielbare Lautstärke deutliche Unterschiede, auf die ich in den Einzelbesprechungen eingehen werde.

 

Beim eigentlichen Vergleichstest hatten wieder alle Beteiligten abwechselnd Gelegenheit, sämtliche Amps mit verschiedenen Instrumenten (bundiert und fretless) zu spielen. Die Combos wurden in einem etwa 60 qm großen Raum halbkreisförmig aufgestellt, mit deutlichem Abstand (> 2 m) zu den Wänden. Ein Amp klingt direkt an der Wand oder in einer Zimmerecke bekanntlich deutlich anders als frei aufgestellt. Dies kann man als Bassist ausnutzen: Klingt der Bass wummerig und lässt sich mit der Klangregelung des Verstärkers nicht so recht bändigen? Weg von der Wand, raus aus der Ecke, Boxen vom Boden entkoppeln, also irgendwo draufstellen (alter Trick: halbierte Tennisbälle)! Ist das Teil eher schwach in den Bässen oder eigentlich etwas unterdimensioniert? In die Ecke damit, bei schwingfähigem Untergrund (z.B. Holzfußboden) direkt auf den Boden stellen. Live kann Letzteres allerdings einen »Anpfiff« vom Tontechniker einbringen, weil der Bass sich auf diesem Wege auch gern in sämtliche Mikrofone einschleicht. Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem »Blindfold«-Vergleich bei den kleinen Combos wurde diese Methode, wiederum angewandt: Einer spielte, die anderen notierten ihre Soundeindrücke, ohne zu wissen, welcher Amp gerade »am Start« war. Mit dieser Vorgehensweise lassen sich unerwünschte »Nobeleffekte« (»da steht XXX drauf, der muss ja gut klingen«) vermeiden.

 

Die Gasttester

Sechs Ohren hören mehr als zwei, daher wurden auch für diesen Vergleich zwei erfahrene Bassisten dazu gebeten:

Klaus Reinders ist Bassmann und Sänger bei der Party-Band »GÜFA« (www.guefa-party.de) und zerrt außerdem bei der Rockkapelle Binford (www.binfordrock.de) an den vier dicken Saiten. Als drittes Bandprojekt (schläft der Mann auch mal?) bedient er seit einiger Zeit den Bass bei der Formation MARIUS (www.mariuscovershow.de). Hier wird »Westernhagen« vom Feinsten geboten.

Manuel »Manu« Rietmann fühlt sich in vielen Stilistiken zu Hause. Bei den »Ostfreez’n Allstars« beackert er ein weites Feld von Soul, Blues, Rhythm’n Blues bis Funk, bei den »Blue Pigs« gibt es »nuttin’ but the blues«. Manu spielt vier- und fünfsaitig, bundiert und fretless, so wie es der Körper gerade verlangt.

 

Als Testinstrumentarium brachte jeder Tester seine Lieblinge mit. Hier war Vielfalt angesagt, da nicht jeder Amp unbedingt mit jedem Bass klingen muss:

Music Man »Stingray V«: Stählern, funky, druckvoll, man kennt und mag ihn..

Ibanez »Jazz Bass«: Gepflegtes Schätzchen von 1974 mit knurrendem Passivton.

Rockinger »Jazz Bass« mit MM-Stegpickup. Knackig-druckvoller Erlebass, »Fender auf Steroiden«.

Esh »Sovereign V« (mit Bartolinis und Piezos): Allroundbass, dank der esh-tronic lassen sich verschiedene Aktiv- und Passivsounds schnell abrufen.

Fender »Precision Fretless V« (mit EMG), mit zusätzlichem Stegpickup: Für die eher jazzigen Klänge.

 

 

Ampeg BA-115 HP

Der Ampeg kommt in der traditionellen, geschmackvollen Optik des Hauses daher: dunkler Bespannstoff eingefasst von einem schmalen weißen Streifen. Von vorn betrachtet, sieht der Combo wie ein Verstärker in geschlossener Bauweise aus, es handelt sich aber, wie bei allen Teilnehmern dieses Vergleichs, um ein Bassreflexgehäuse. Die Reflexöffnungen liegen hinten, das Gehäuse konnte so recht kompakt gehalten werden. Die Vorstufe kommt mit einer dreibandigen Klangregelung aus, zusätzlich lässt sich per »Style«-Schalter eines von fünf Presets wählen. Der Anschluss von zusätzlichen Boxen ist nicht vorgesehen, der eingebaute Speaker reizt mit vier Ohm die Endstufe bereits voll aus. Etwas unverständlich ist das Fehlen einer Einschleifmöglichkeit für Effektgeräte. Als sonst eher seltene gesehene »Beigaben« hat der Amp jedoch ein sehr gut funktionierendes Stimmgerät sowie zwei Cinch-Eingänge für den Anschluss von CD-Player o.ä. an Bord.

 

Das Gerät liefert bis in mittlere Lautstärken einen runden, angenehmen Sound, der sich mit dem erwähnten »Style«-Schalter schnell und drastisch verändern lässt. Neben den typischen mittenbetonten Ampegsounds lassen sich auch eher cleane oder HiFi-ähnliche Klangfarben bis zu einem gewissen Grad realisieren. Mit einem Passivbass am 0-db-Eingang kann man Gain und(!) Master voll aufreißen, ohne dass die Lautstärke unerträglich wird. Mit aktiven Instrumenten kommt etwas mehr Dampf, allerdings begleitet von heftigen Klappergeräuschen des Gehäuses. Für das Zusammenspiel mit einem Drummer geht die erzielbare Lautstärke in Ordnung, für Gigs ohne P.A.-Unterstützung reicht es aber wohl nur für kleinere Räumlichkeiten. Rein lautstärkemäßig hätte ich vom Ampeg etwas mehr erwartet, der BA-115 ist mit Abstand der leiseste Amp dieses Vergleichs. Schade, denn der Grundsound stimmt.

 

EBS »Gorm« GET-115

Der schwedische Hersteller hat sich seit 1988 weitgehend auf High-End-Bassequipment spezialisiert, laut Homepage sind sogar sämtliche Mitarbeiter Bassisten. Die Bedienung der Vorstufe ist praxisgerecht und schnell zu durchschauen, ein vierbändiger Equalizer bildet die Klangregelung, das kritische Mittenband ist semiparametrisch ausgeführt. Ein »Charakter«-Schalter schiebt die Bässe und Höhen etwas an und senkt die Mitten um 1 kHz ab. Der regelbarer Kompressor hält auf Wunsch die Dynamik im Zaum, eine LED zeigt an, wann er einsetzt. Über den Monitor-Eingang mit dazuhörigem Regler lassen sich externe Quellen einspeisen. Viele sinnvolle Funktionen birgt das »Mäuseklavier« (eine Reihe von sechs Dip-Schaltern) auf der Rückseite. Hier lässt sich für den XLR-Ausgang ein »Ground Lift« schalten, um auftretendes Erdungsbrummen zu eliminieren, der EQ für diesen Ausgang bedarfsweise deaktivieren (die meisten Tontechniker nehmen lieber ein Signal ohne EQ) sowie ein Speakersimulator auf den DI legen. Die Effektschleife ist von seriell auf parallel (mit festen Anteilen, 50% Effekt, 50% »trocken«) umschaltbar, und – ganz etwas Feines ‑ auf den Basseingang und/oder die Effektschleife kann man 10 V Phantomspeisung legen. Das heißt nach entsprechendem Umbau von Bass und Effektgeräten: Adieu Batterien und externe Netzteile. Eine geniale Idee, die ich in dieser Form noch nicht gesehen habe. Eine Biampingmöglichkeit bietet der Verstärker ebenfalls an. Etwas »popelig« bei einem Amp dieser Preisklasse wirken die Riemengriffe, da sind Griffschalen oder Klappgriffe doch wohl die professionellere Lösung. Auch ein Satz Rollen könnte nicht schaden.

 

Doch der Groll über die leichte Unbill beim Transport verfliegt sofort, wenn ein Bass angeschlossen wird. Der »Gorm« liefert einen edlen, seidigen Ton mit genau der dezenten Mittenfärbung, die Edelbässe noch edler klingen lässt. Wer zu seinem Alembic oder Ken Smith einen passenden Amp sucht, der könnte bei EBS fündig werden. Kein Wunder, dass Größen wie Stanley Clarke und Marcus Miller diese Amps einsetzen. Auch mit den »etwas« preisgünstigeren Testbässen sind die Ergebnisse wirklich hörenswert. Die erzielbare Lautstärke ist enorm, mit etwas (fast unhörbarer) Kompression lassen sich ähnliche Schalldrücke erzielen wie beim Glockenklang. Letzterer bringt seine Leistung vielleicht noch einen Deut »müheloser«.

 

 

Gallien Krueger 700RB 115

Ein Amp im praktischen »Wedge«-Design, also als kippbarer Monitor ausgeführt. Das Handling erleichtert eine Trolly-Ausstattung: Herausziehbarer, arretierbarer Griff, von GK »Lock’n Roll« genannt, sowie zwei stabile Rollen. Sehr schön, so können die ca. 35 kg in »Sackkarrenmanier« gezogen werden, auch ein paar Treppenstufen lassen sich überwinden, ohne den Verstärker tragen zu müssen. Trotzdem wurden Klappgriffe an den Seiten nicht vergessen.

Wer zum ersten Mal einen Gallien Krueger ausprobiert, muss sich zunächst einmal mit dem etwas ungewöhnlichen Aufbau der Vorstufe anfreunden: Links ist nicht die Eingangssektion, sondern der regelbare DI-Ausgang, beim Equalizer liegen die Bänder genau »anders herum« wie gewohnt, also von links nach rechts: Höhen, Mitten, Bässe. Noch nie gesehen habe ich einen »4-5-Saiter«-Umschalter, der die Klangregelung bei Bedarf an das Low B anpasst. Funktioniert aber gut. Auch beim Blick nach hinten zunächst Befremden. Die beiden Speakon-Buchsen sind vierpolig und wegen des einzigartigen Biamping-Designs von Gallien Krueger (es ist eine 380-W-Endstufe für die Bässe sowie eine 50-W-Endstufe für die Höhen vorhanden, beide sind im Combo zwar angeschlossen, lassen aber noch den Anschluss weiterer Boxen zu) zunächst einmal nur für die hauseigenen Boxen vorgesehen. Es dürfte aber kein Problem sein, Zweiwegeboxen anderer Hersteller umzulöten bzw. umlöten zu lassen. Fullrangeboxen lassen sich an zwei Klinkenbuchsen anschließen. Zunächst kompliziert, lässt sich aber durchschauen, spätestens mit dem sehr brauchbaren Handbuch.

Und wie klingt er? Klar, brillant, neutral, aber trotzdem noch »rassig« genug. Die Höhenreserven sind immens und können beim Einsatz eines aktiven Basses eher gekappt als geboostet werden. Apropos boosten: Der »Boost«-Regler beschert das beliebte Grollen in den unteren Mitten, das viele GK-User so schätzen, und das dem Amp eine gute Durchsetzungskraft beschert, auch wenn die Gesamtlautstärke im Vergleich mit einigen der Mitbewerber eher zahm ausfällt. Für kleinere und mittlere Clubs ist aber genügend Power vorhanden, auch wenn es mal ohne P.A. gehen muss. 

 

Glockenklang »Soul Uno Deluxe«

Die Herforder Edelschmiede ist für ihre kompromisslos qualitätsorientierte, fast puristische Haltung in Bezug auf den Basssound bekannt. So findet man auch im »Soul«-Combo weder Kompressor noch Enhancer oder ähnliche Schaltungen, die den puren Soundgenuss trüben könnten. Effektfans finden allerdings sowohl einen seriellen (Insert) als auch einen parallelen (Loop) Effektweg vor, so dass alle Einschleifmöglichkeiten vorhanden sind. Dieser Amp gehört zur »Bassware«-Modellreihe und wurde im Vergleich mit den HiFi-orientierten »Bass Art«-Geräten mit Rücksicht auf die Soundwünsche des Rockbassisten etwas »herzhafter« abgestimmt.

Die Vorstufe präsentiert sich aufgeräumt und sehr praxisgerecht. Einer der beiden umschaltbaren Eingänge verfügt über einen Trim-Regler, ein Segen für Bassisten, die zwei unterschiedlich laute Bässe einsetzen. Der fünfbändige EQ ist Glockenklang-typisch abschaltbar und in seiner Wirkungsweise dem menschlichen Gehör angepasst, d. h. bei den Höhen und Bässen wirken die Regler drastischer als in den Mitten. Dieser Verstärker ist der einzige, der fast ohne Regelaufwand sowohl die aktiven Instrumente als auch den passiven Ibanez akkurat wiedergibt. Ganz nebenbei ist er auch noch der Lauteste im Testfeld. Selbst brutales »Gemetzel« auf dem fünfsaitigen »Stingray« gibt er unbeeindruckt und mit voller Dynamik bis in ohrenbetäubende Lautstärken wieder. Hier muss im Vergleich sogar der ebenfalls mit enormem Headroom ausgestattete EBS passen, der zwar ähnlich laut ist, jedoch irgendwann hörbar komprimiert. Der »Soul« wird wohl auf keiner Bühne kapitulieren. Notfalls lässt sich noch eine Zusatzbox mit acht Ohm anschließen, in der Praxis wird das jedoch wohl nicht oft nötig sein.. Ein makelloser Bassamp, als einzige Kritikpunkte bleiben die fehlenden Rollen ‑ das Teil ist ordentlich schwer ‑ und fehlendes Biamping. Letzteres wird zwar vielleicht selten genutzt, sollte aber bei einem Amp dieser Preisklasse vorhanden sein.

 

Hughes & Kettner »Quantum« QC-415

Ein brandneuer Verstärker, der im Handel voraussichtlich ab Ende Oktober, also zeitgleich zum Erscheinen dieses Heftes, erhältlich sein wird. Bereits beim Auspacken des als »Monitoramp« aufgebauten Combos fällt das äußerst geringe Gewicht auf; der »Quantum« wiegt mit 24 kg tatsächlich nicht mehr als ein Warwick »Sweet 15«, und das bei gestrichenen 400 Watt! Machbar war dieses Leichgewicht unter anderem durch Einsatz eines leichten Neodym-Lautsprechers mit integriertem Hochtonkegel – der separate Hochtöner konnte so entfallen ‑ und ein Gehäuse aus einer speziellen Sperrholzsorte (Okumé-Plywood), die nur halb so viel wiegt wie normales Sperrholz.

Auch bei den inneren Werten finden sich viele Innovationen. So ist die dekorativ bläulich beleuchtete 12-AX7-Röhre mitnichten – wie bei den meisten anderen »Halbröhrenamps« eine Vorstufenröhre, sie dient vielmehr als »Phasensplitter« innerhalb der Endstufe und reichert dort den Sound mit zusätzlichen röhrentypischen Transienten (schwingenden Frequenzen) an. Dieses Verfahren hat sich Hughes & Kettner als »Dynavalve« patentieren lassen. Und es scheint zu funktionieren! Der Quantum produziert einen warmen, samtigen Ton, der wirklich sehr röhrenmäßig daher kommt und sich enorm gut durchsetzt. Auch bei hohen Lautstärken wird der Sound niemals schrill und schneidend, sondern behält trotz guter Höhenanteile seinen gutmütigen Charakter. Der »Tube Growl«-Regler mischt nach Bedarf knurrige, »ballaststoffreiche« Klanganteile dazu. Der Vorstufenaufbau ist beispielhaft übersichtlich, und bei den riesigen Knöpfe wird man auch im hektischen Livebetrieb kaum daneben greifen. Die vierbandige Klangregelung ist effektiver als bei einem Vollröhrenamp, hat aber trotzdem diese typische »verzeihende Gutmütigkeit«. Das mag daran liegen, dass nicht der gesamte Signalfluss den EQ durchläuft, dieser ist parallel eingeschleift, so wie es auch bei vielen High-End-Studiokomponenten gemacht wird. Ich könnte mir vorstellen, dass in Zukunft so einige Röhrenamp-Fans ihre schweren Boliden des Öfteren zu Gunsten eines »Quantum« zu Hause lassen.

Der Verstärker ist allroundtauglich, nur die Freunde eines absolut ultracleanen Slapsounds werden vielleicht anderen Gerätschaften – bzw. einer anderen Lautsprecherbestückung – den Vorzug geben. Verstärker und Speaker sind impedanzmäßig auf einander abgestimmt, bei Verwendung zusätzlicher Boxen kann aber ein serieller Lautsprecheraushang benutzt werden. Der geringe Leistungsverlust durch die höhere Gesamtimpedanz wird durch die größere Membranfläche mehr als ausgeglichen. Bei Verwendung des parallelen Speakerausgangs muss dagegen der interne Lautsprecher abgeklemmt werden, um die zulässige Mindestimpedanz nicht zu unterschreiten. Neben der 15-Zoll-Version gibt es Combos mit 1x10“-, 2x10“- sowie 1x12“-Bestückungen. Speziell mit einem mittig-warm klingenden Zwölfzöller kann ich mir den »Quantum« – er hat ebenfalls 400 Watt bei nur 19,5kg Gewicht – auch sehr gut für Fretless und Kontrabass vorstellen. Und diese ohnehin schon leichte »Fuhre« lässt sich dann mit einer für alle »Quantum« optional erhältlichen Cordura-Tasche mit Ausziehgriff und Rollen noch komfortabler gestalten.

 

Peavey »Combo 115«

Dies ist mit über 45 kg der schwerste Combo im Vergleich, allein sollte dieser »Trumm« mit Rücksicht auf die Bandscheiben nicht bewegt werden. Zu zweit gestaltet sich der Transport allerdings dank der guten Klappgriffe und der vier Steckrollen recht problemlos. Die Vorstufe ist üppig ausgestattet, als einziges Testgerät verfügt der 115 über einen grafischen Equalizer mit sieben Frequenzbändern. Eine Biamping-Möglichkeit ist vorhanden, auch der Peavey-typische, dezent aber wirksam arbeitende DDT- Kompressor wurde nicht vergessen. Verzichtet hat Peavey auf ein Hochtonhorn, was diesen Boliden einige Punkte bei der Flexibilitätswertung kostet. Trotz der guten Klangregelung klingt er immer sehr traditionell, der große Speaker ist mit einer schnellen Höhenwiedergabe überfordert. Da der Amp den Anschluss einer Zusatzbox zulässt (er bringt seine vollen 300 Watt sogar erst mit einer Vier-Ohm-Box), wurde einmal probehalber meine ADA 2x10-Zoll plus Horn angeschlossen. Siehe da, die Sonne geht auf, plötzlich bekommen auch die beiden oberen EQ-Regler sowie der Bright-Schalter ihre Daseinsberechtigung. Vielleicht sollte Peavey die paar Euro für einen regelbaren Hochtöner investieren, das macht diesen Combo um Klassen vielseitiger und allroundtauglich. Platz wäre genug da. Der 115 ist deutlich tiefer abgestimmt als der »kleine Bruder« TKO vom letzen Combovergleich und klingt daher auch nicht so topfig-mittig. Mein Fender »Precision« mochte diesen Verstärker, bei traditionellen, vintage-orientierten Klangvorstellungen ist er auf jeden Fall ein guter Kauf. Viel Verstärker fürs Geld.

 

Roland DB-700

Bei dem Wort »Digitalamp« denken viele Musiker mit Grausen an effektüberladene Gerätschaften mit Display, verzwickten Menüs und Bedienungsanleitungen im Telefonbuchformat. Auf den Roland DB-700 treffen zum Glück diese Vorurteil nicht zu, er hat nicht mehr »Knöppis« als die Mitbewerber. Roland hat es geschafft, die gesamte Digitaltechnik »unter die Haube« zu verbannen. Der Combo arbeitet mit »COSM« (Composite Object Modeling) wie auch z. B. der »V-Bass« aus gleichem Hause und optimiert seine nutzbare Lautstärke mit der ebenfalls Roland-eigenen »FFP«(Feed Forward Processing)-Technik.

Böhmische Dörfer, und wie klingt das? Geil und laut! Der vergleichsweise kleine, allerdings nicht ganz leichte Koffer entwickelt eine enorme Lautstärke ohne unerwünschte Verzerrungen. Dabei klingt er absolut nicht »processed«, das heißt künstlich, was viele Leute ja den Modelinggeräten vorwerfen, sondern recht edel. Im Vergleich mit den doppelt so teuren Geräten von Glockenklang und EBS müssen allerdings Abstriche hinsichtlich der Lautstärke Kauf genommen werden,! Erst bei recht ohrenbetäubender Lautstärke wird der Sound etwas »geplättet« – nach dem Motto »besser komprimiert als kaputt«. Einziges erkennbares Zeichen für das digitale Innenleben sind die beiden genial einfach auch per Fußschalter zu bedienenden Speicherplätze A/B. Praktische Sache, man kann seine beiden wichtigsten Bühnensounds ohne Schrauberei abrufen. Zusatzboxen lassen sich – wie meistens bei digital kontrollierten Verstärkern ‑ nicht anschließen. Bei Bedarf kann aber z. B. ein aktiver Subwoofer an die »Line Out«-Klinkenbuchse gehängt werden, der XLR-DI bleibt trotzdem für die P.A.-Abnahme frei.

Die Stärke des Roland sind eher cleane Sounds, die Tube-Simulationen sind zwar brauchbar, fallen aber z. B. im Vergleich mit dem Hughes & Kettner »Quantum« etwas ab. Der Chorus-Effekt klingt gut und ist sehr nebengeräuscharm, was bei Roland/Boss aber auch nicht weiter verwundert.

 

Fazit

Dieser Test hat viel Spaß gemacht, natürlich auch weil jede Menge High-End dabei war. Glockenklang lieferte die Referenz und trägt daher den Testsieg in der Kategorie »Performance« nach Hause; der »Soul« ragt auch aus dieser »besseren Gesellschaft« noch eindeutig heraus. Der Grundsound ist so stimmig, dass die Klangregelung eigentlich nur dazu dient, den Sound an die jeweilige Raumakustik anzupassen. Dieser Amp wurde einstimmig zum Qualitätssieger gekürt.

Hughes & Kettner stellt mit dem »Quantum« eine echte Innovation vor – und darf sich damit nicht nur auf das Podest mit der Nummer drei stellen, sondern auch noch den Sieg in der Kategorie »Preis-Wert« einheimsen. Gediegener, warmer Röhrensound wurde mit dieser Kraft und Lautstärke wohl noch nie in einem derart leichten Combo realisiert. Und ich glaube, das ist der richtige Weg, den auch andere Hersteller gehen werden. Erst wenn ein »Koffer« allein halbwegs gut zu transportieren ist, kann er seinen Vorteil als »All in One«-Paket gegenüber einer Topteil/Boxenkombination oder einer Racklösung ausspielen.

Der EBS bietet Sound auf höchstem Niveau und findet sich daher auf Platz zwei der »Performance«-Wertung ein. Seine Stärken liegen im Clean-Bereich, wo er, im Gegensatz zum Glockenklang, einen gewissen »Eigensound« besitzt, der allerdings sämtlichen Testern ausgezeichnet gefallen hat. Wenn man den Glockenklang mit einem Mercedes vergleicht, so ist der EBS vielleicht der Saab Turbo ‑ ebenfalls von hoher Qualität, aber etwas individueller.

Der Gallien Krueger ist als Transistoramp nicht nur unbedingt auf cleane Sounds abonniert. Auf Grund seines Biamping-Konzepts werden auch knurrig-grollende Einstellungen immer von klaren Obertönen begleitet, was ja auch den beliebten Gallien-Krueger-Sound ausmacht. Für Flea-Fans ist Antesten Pflicht!

Schade, dass der Ampeg mit den erwähnten Problemen bei höheren Lautstärken zu kämpfen hat. So muss er sich vom klanglich ähnlichen Hughes & Kettner die »Butter vom Brot« nehmen lassen. Mit dem »hornlosen« Peavey lassen sich moderne Soundvorstellungen ohne Zusatzbox nicht verwirklichen. Ansonsten ist er ein kraftvoller und zudem Verstärker mit trocken-tiefbassigem Ton, also wenn der Bass wirklich »nach Bass« klingen soll. Die Basswelt besteht ja nicht nur aus Daumenartisten. Roland bietet schließlich mit dem DB-700 einen sehr leistungsfähigen und gut klingenden, trotz Digitaltechnik sympathisch einfach zu bedienenden Allround-Verstärker. Ein ganz heißer Tipp für Bassmänner/-frauen mit vor allem Cleansound-orientierten Klangwünschen!

 

Pro & Contra

 

Ampeg BA-115 HP

+ Grundsound

+ integriertes Stimmgerät

- nicht sonderlich laut

- Klappergeräusche bei höheren Lautstärken

- keine Effektschleife

 

EBS »Gorm« GET-115

+ Eeler Sound

+ vielseitig

+ laut und druckvoll

- Transportausstattung (Nur Riemengriffe, Ecken oben ungeschützt, keine Rollen)

 

Gallien Krueger 700RB 115

+ Sound

+ Vielseitigkeit

+ beispielhafte Transportausstattung

 

Glockenklang »Soul Uno Deluxe«

+ toller Sound

+ Lautstärke, Druck

+ Vielseitigkeit

- fehlende Rollen

- kein Biamping (Minuspunkt preisabhängig)

 

 

Hughes & Kettner »Quantum« QC-415

+ warmer, angenehmer Sound

+ laut, druckvoll

+ extrem leicht und handlich

+ optionales Caddy-Kit erhältlich

 

Peavey »Combo 115«

+ laut, druckvoll

+ üppige Vorstufe

+ günstiger Preis

- nicht sehr vielseitig (fehlendes Horn)

- sehr schwer

 

Roland DB-700

+ klarer, knackiger Sound bis in hohe Lautstärken

+ vielseitig

 

 

 

Listenpreise

Ampeg BA-115 HP                                                     1.249,- EUR

EBS »Gorm« GET-115                                                 2.050,- EUR

Gallien Krueger 700RB 115                                         1.920,- EUR

Glockenklang »Soul Uno Deluxe«                                 2.000,- EUR

Hughes & Kettner »Quantum« QC 415                        1.349,- EUR

Peavey Combo 115                                                      999,- EUR

Roland DB-700                                                            1.149,- EUR

 

Verkaufspreise

Ampeg BA-115 HP                                                     1.049,75 EUR

EBS »Gorm« GET-115                                                1.842,50 EUR

Gallien Krueger 700RB 115                                         1.625,50 EUR

Glockenklang »Soul Uno Deluxe«                                 1.911,50 EUR

Hughes & Kettner »Quantum« QC-415                        1200 EUR (geschätzt)

Peavey Combo 115                                                      835,67 EUR

Roland DB-700                                                            979,71 EUR

 

Und so wird bewertet:

Die sechs Kategorien gehen zu gleichen Teilen in die Gesamtwertung ein, jedes Kriterium wird mit maximal 10 Punkten bewertet. Auch diesmal ist der Preisbonus recht weit gestaffelt, um die gravierenden Preisunterschiede zwischen den Kandidaten etwas auszugleichen. Beim »durchschnittlichen Straßenpreis« - ermittelt durch ausgiebige Webrecherche bei verschiedenen großen und kleinen Händlern- gibt es diesmal eine Besonderheit: Der Preis für den Hughes & Kettner »Quantum« ist geschätzt, weil das brandneue Gerät zum Testzeitpunkt noch nirgends angeboten wurde. Der unterstellte Preisrahmen 1.200,- bis 1.300,- EUR dürfte bei einem Listenpreis von 1.349,- aber realistisch sein.

Die Staffelung der Bonuspunkte sieht folgendermaßen aus:

 

bis 900,-  EUR:            11 Punkte

bis 1.000,- EUR:          10 Punkte

bis 1.100,- EUR:          9 Punkte

bis 1.200,- EUR:          8 Punkte

bis 1.300,- EUR:          7 Punkte

bis 1.400,- EUR:          6 Punkte

bis 1.500,- EUR:          5 Punkte

bis 1.600,- EUR:          4 Punkte

bis 1.700,- EUR:          3 Punkte

bis 1.800,- EUR:          2 Punkte

bis 1.900,- EUR:          1 Punkte

über 1.900,-

 

Hersteller

Ampeg

EBS

Gallien Krueger

Glockenklang

Hughes & Kettner

Peavey

Roland

Modell

BA-115 HP

Gorm ET-350

700 RB 115

Soul Uno Deluxe

Quantum QC-415

Combo 115

DB-700

Grundsound

7

9

7

9

8

6

7

klangliche Flexibilität

6

7

7

8

7

5

7

Lautstärke/Druck

5

8

6

8

7

6

6

Ausstattung

6

8

8

7

6

7

7

Verarbeitung

6

9

8

9

8

8

8

Handling

7

6

9

8

10

5

7

Performance (max.60 Punkte)

37

47

45

49

46

37

42

Bonus

9

1

3

0

7

11

10

Preis-Wert (max. 70 Punkte)

46

48

48

49

53

48

52

 

Zur Speakerwahl

10“-Speaker haben zwar mehr mittigen »Punch« und entwickeln bereits direkt vor dem Verstärker richtig Bässe, dafür »verhungern« speziell 2 x 10“-Boxen leicht nach einigen Metern, während 15“er erst in einigem Abstand richtig »woofen«, sehr wichtig, wenn bei kleineren Gigs ohne PA gespielt wird. 4 x 10“ sehen viele Bassisten als optimal an, hier wird die »Fuhre« aber bei einem Kofferverstärker oft schon unzumutbar schwer. Schließlich werden gerade Combos oft vom so genannten »working musician« gespielt, der mehrere Gigs pro Woche und nicht unbedingt immer einen zweiten Mann zum Transport hat. Den meisten Probanden wurde noch ein Hochtonhorn spendiert, um den in den Höhen etwas unterbelichteten 15“-Topf  zu unterstützen.

 

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